246
erfaßt und geben ihren Geist auf. Man glaubt zwar, dieOpferung derer, welche bei Diebstahl, Raub oder einem andernVerbrechen ergriffen worden sind, sei den unsterblichen Göt-tern angenehmer; wenn aber solche Leute mangeln, opfert manauch Unschuldige.
Unter den Göttern verehren sie besonders den Mercurius.Er hat die meisten Bildsäulen, er wird als der Erfinder allerKünste gefeiert, er gilt als Geleitsmann auf allen Wegen undStraßen; sie glauben, er übe auf Gelderwerb und Handel dengrößten Einfluß aus. Nach ihm ehren sie Apollo, Mars, Jupiterund Minerva*). “Von diesen Gottheiten haben sie fast die gleicheVorstellung wie die übrigen Völker. Apollo vertreibt die Krank-heiten, Minerva lehrt die Anfangsgründe der Hand- und Kunst-arbeiten, Jupiter ist der König des Himmels, und Mars lenkt dieKriege. Diesem versprechen sie daher die erhoffte Beute als Opfer,wenn sie in eine Schlacht ziehen. Wenn sie gesiegt haben, opfernsie die erbeuteten Tiere, alles übrige aber bringen sie an einemOrte zusammen. Bei vielen Völkerschaften kann man aufgetürmteHügel von solchen Dingen an geweihten Orten erblicken, undes kommt nur höchst selten vor, daß einer sich nicht um diereligiöse Satzung kümmert und Beutestücke entweder zu ver-heimlichen oder vom Haufen zu entwenden wagt. Für ein solchesVerbrechen ist die martervollste Todesstrafe festgesetzt.
Die Gallier rühmen sich insgesamt, vom Vater Dis**) abzu-stammen und berufen sich hiefür auf die Lehre der Druiden.Deshalb berechnen sie auch alle Zeiträume nicht nach der Zahlder Tage, sondern der Nächte. Geburtstage und Monats- oderJahresanfänge bestimmen sie so, daß sie mit der Nacht beginnenund den Tag folgen lassen. In andern Lebensgewohnheiten unter-scheiden sie sich von den übrigen Völkern etwa darin, daßsie ihren Kindern erst öffentlichen Zutritt zu sich gestatten,wenn diese das wehrhafte Alter erreicht haben. Sie halten esnämlich für eine Schande, wenn sich der Sohn in den Kinder-jahren öffentlich neben seinem Vater sehen läßt.
*) Diese Namen wurden nach römischer Sitte auf gallische Gott-heiten übertragen. Die gallischen Gottheiten hießen: Teutätes (Merkur),Belon (Apollo), Hesus (Mars), Taranius (Jupiter), Belisana (Minerva).
**') Gott der Unterwelt. Sie hielten sich also für Ureinwohner, dieaus dem Schoß der Erde hervorgegangen seien.