Band 
Erster Teil.
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So viel Geld der Mann von seinem Weibe als Mitgift erhaltenhat, so viel legt er nach genauer Abschätzung aus seinem eigenenVermögen noch dazu. Das ganze Kapital wird dann gemeinschaft-lich verwaltet, und die Zinsen davon werden zurückgelegt. Derüberlebende Teil erbt das Ganze nebst dem bisherigen Zinsertrag.Die Männer haben Gewalt über Leben und Tod ihrer Weiber undKinder. Stirbt das Haupt einer vornehmen Familie, so tretendessen Verwandte zusammen; erregt der Todesfall irgendwie Ver-dacht, so werden die Frauen des Verstorbenen gerade so pein-lich wie Sklaven verhört und, wenn sich ein Verdacht bestätigt,aufs grausamste gemartert und mit dem Feuertode bestraft.Die Leichenbegängnisse sind im Verhältnis zur Lebensweise derGallier prachtvoll und kostspielig. Alles was dem Toten beiLebzeiten teuer war, wird mit ins Feuer geworfen, selbst Haus-tiere. Ja, noch vor kurzer Zeit wurden die Sklaven und Hörigenmitverbrannt, welche als besondere Lieblinge des Abgeschiedenengalten.

Bei den Völkerschaften, denen eine besonders gute Verwal-tung ihres Gemeinwesens nachgerühmt wird, besteht folgendegesetzliche Bestimmung: „Wenn einer etwas, was den Staatbetrifft, gerüchtweise oder durch Hörensagen von den Nachbarnerfährt, muß er es der Obrigkeit anzeigen, darf aber sonst nie-mandem etwas davon mitteilen.“ Denn die Erfahrung hat gelehrt,daß unbesonnene und einfältige Leute sich gar oft durch falscheGerüchte erschrecken, zu einer übereilten Tat hinreißen undzu folgenreichsten Entschlüssen bestimmen lassen. Die Behör-den halten geheim, was sie für gut finden, und machen demVolke bekannt, was ihm nach ihrer Meinung zuträglich ist. ÜberStaatsangelegenheiten zu sprechen, ist nur in der Volksversamm-lung erlaubt.

Die Germanen haben vielfach andere Sitten. Denn sie habenweder einen festgeschlossenen Priesterstand, noch halten sie vielauf Opfer. Ihr ganzes Leben dreht sich um Jagd und Krieg;.Von Jugend auf gewöhnen sie sich an Strapazen und Abhärtung.Ihre Kleidung besteht nur aus Tierfellen oder -kurzen Pelzen,so daß ein großer Teil des Körpers unbedeckt bleibt. Mit demAckerbau beschäftigen sie sich wenig. Ihre Nahrung bestehtzum größten Teil aus Milch, Käse und Fleisch. Auch besitzt