275
steinernen Gewölben bestehenden unterirdischen Gräben sind sogeräumig, daß ein Heuwagen durch sie hindurchfahren könnte.Und so groß ist die Menge des durch die Wasserleitungen her-beigeführten Wassers, daß wahre Flüsse die Stadt und die Ab-zugskanäle durchströmen und fast jedes Haus Wasserbehälter,:Röhren und reichlich sprudelnde Brunnen hat.
Überhaupt aber kümmerten sich die Alten wenig um dieSchönheit Roms, indem sie sich mit andern, größeren und notwen-digeren Dingen beschäftigten; die Späteren hingegen, und beson-ders unsere heutigen Zeitgenossen, blieben auch hierin nichtzurück, sondern füllten die Stadt mit vielen und schönen Pracht-werken. Denn Pompejus, der göttliche Cäsar, Augustus und seineSöhne und Freunde, Gattin und Schwester haben den Aufwandund Eifer aller in Bezug auf Bauwerke übertroffen. Die- meistenderselben enthält das Marsfeld, das durch weise Fürsorge zuseiner natürlichen Schönheit auch noch den Schmuck hinzube-kam. Denn die bewundernswürdige Größe des Feldes, das trotzeiner so großen Menge von Leuten, die sich im Ballschlagen, imReifenspiel und im Ringen üben, dennoch zugleich für Wett-rennen zu Wagen und zu Pferde ungehinderten Spielraum ge-währt, sodann die es umgebenden Bauwerke und der das ganzeJahr hindurch grüne Rasenboden, endlich der Kranz von Hügelnoberhalb des Flusses, der bis zu seinem Bette hinab einen thea-tralischen Anblick darbietet: dies alles gewährt ein Schauspiel,von dem das Auge sich kaum losreißen kann. An dieses Feldstößt ein anderes und rings um dasselbe eine Menge Säulen-hallen, Landhaine, drei Schauspielhäuser, ein Amphitheater undprächtige Tempel, einer am andern, so daß es überflüssig scheinendürfte, auch noch die übrige Stadt zu beschreiben. Daher habendie Römer, die diesen Platz als einen hochheiligen betrachten,auch die Denkmäler der berühmtesten Männer und Frauen da-selbst aufgestellt. Das sehenswürdigste darunter ist das soge-nannte Mausoleum, ein großer, auf hoher Grundmauer von weißemMarmor aufgeführter, bis zur Spitze mit immergrünen Bäumendicht bedeckter Erdhügel neben dem Flusse. Oben steht eineeherne Bildsäule des Kaisers Augustus, unter dem Erdhügel abersind die Gräber für ihn, seine Verwandten und Freunde, undhinter demselben befindet sich ein großer Hain mit reizendstenSpaziergängen. In der Mitte des Feldes zeigt sich die Umfassungs-