Ringsum marschierte die Leibgarde des Königs in dichten Reihen, ansIiogenschiitzen and Halbartenträgern bestehend. Ihr voraus zogen fünf-tausend Schleuderer and hinter ihr drein ebensoyiele Lanzenträger, allemit ihren Haaptleuten. Zu Seiten des Weges nnd auf der Straße eiltentreue, zuverlässige Vorläufer dahin, welche von allem, was sie sahen,Bericht erstatteten, zugleich auch die Ankunft des Herrn meldeten. Umden Herrscher zu sehen, strömte so viel Volk herbei, daß alle benach-barten Ebenen und Hügel dicht mit Menschen bedeckt waren. Die Mengebegrüßte den Inka mit lautem Freudengeschrei und folgender Ansprache:«Antscha hatun Apn Intiptschuri kanki zupallja Apu tnkny Patschakampa uyay sulljul», was in Übersetzung heißt: «Höchster, mächtigsterHerr, Sohn der Sonne, dn allein bist der Herr, alle Welt muß dir inWahrheit gehorchen». Anßer mit diesen Worten priesen sie ihn noch inanderer Weise, und wenig fehlte, daß sie ihn wie ein göttliches Wesenanbeteten.
Dem Zuge ging beständig eine Anzahl Indianer voraus, um dieStraße zu fegen, so daß kein Grashalm oder Steinchen auf ihr gefundenwurde, der ganze Weg vielmehr reingekehrt war. Man legte täglich vierLoguas zurück oder soviel, wie der Inka befahl. Er ließ halten, wo esihm beliebte, um sich von den Zuständen seines Reichs zu überzeugen,hörte freundlich die an, die mit Klagen zu ihm kamen, half den Not-ständen ab und bestrafte ungerechte Beamte. Die ihn begleitenden Truppenwichen nicht von seiner Seite nnd traten keinen Schritt breit über dieStraße hinaus. Die Einwohner der Gegenden, durch die sich der Zugbewegte, brachten alles Nötige herbei; außerdem waren die Magazineaufs reichlichste mit Vorräten versehen, so daß es nicht nur an nichtsmangelte, vielmehr an allem Überfluß vorhanden war. Wo der Inka durch-zog, kamen Männer, Weiber und Jünglinge herbei, nm ihm persönlichzu dienen und seine Befehle anszuführen. Auch eine hinreichende Anzahlvon Lastträgern stellte sich ein, um das Gepäck von einer Ortschaft zurandern zu schleppen, wo sie es an andere bereitstehende LastträgerWeitergaben. Da diese Arbeit gewöhnlich nur ein bis zwei Tage in An-spruch nahm, achteten sie sie kaum; jedenfalls verrichteten sie allesmit Freuden und betrachteten die Mühe durchaus nicht als ihnen auf-gebürdete Last.
So bereiste der Inka sein gesamtes weites Reich, verwendete auf dieReise so viel Zeit als ihn gut dünkte, sah mit eigenen Augen, was sichzutrug, nud verordnete, was seiner Ansicht nach notwendig erschien.Denn alle wichtigen Fragen entschied er persönlich.