Band 
Dritter Teil.
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II. Am Vorabend der Reformation.

9. Zur Charakteristik Kaiser Maximilians I., 1493—1519.

Joseph Grünpeck, Geschichte Friedrichs III. und Maximilians I., Kap.37, 39, 45. Nach Th. Ilgen.

Der Verfasser dieser lateinischen Schrift ist ein Bayer aus dem StädtchenBurghausen am Inn, von geringem Namen und niedriger Herkunft, geboren imdritten Viertel des 15. Jahrhunderts, gestorben um 1532. Die hier benutzteSchrift ist bedeutsam durch ihre Sittenschilderungen, nicht etwa wegen wert-vollen Nachrichten über geschichtliche Ereignisse. Vgl. Bd. II des Quellen-buches, S. 264.

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Von seinen Lanzenkämpfen. Den Lanzenkämpfen widmete ersich von seinem Jünglingsalter ab mit dem. glühendsten Eifer und wußtedie Lanze so geschickt zu fuhren, daß er weder unter den Einheimischennoch unter den Ausländern einen ebenbürtigen Gegner fand. Er pflegtein jeder beliebigen Bewaffnung, Kleidung und Ausrüstung mit der ge-waltig langen, wuchtigen Lanze sich nicht nur mit Fürsten und Edlen,sondern auch mit Reisigen niederen Standes, die in allen Kniffen derWaffenkunst geübt waren, zu messen. Bisweilen sprengte er, nur dasHaupt, die Oberschenkel und das Schienbein durch Eisenpanzer geschützt,ohne Brustharnisch, einen ehernen Schild vor sich haltend, gegen einenandern Schildträger, der vom Kopf bis zu den Eiißen gewappnet war,im gestrecktesten Galopp an, so daß infolge der Lanzenstöße die leichtenHolzteile der Schilde mitsamt allen Eisenbeschlägen in zahllose Stückezerbrochen in der Luft umherflogen. Da er nicht so sehr der Pflegerund Betätiger dieser Ritterspiele war, als vielmehr, nachdem die ältereForm der Waffen abgeschäfft war, ihr Erfinder, so hat er damit allenFürsten Deutschlands die Regeln und Satzungen der Kampfesweise geliefert.

Von seinen wissenschaftlichen Nebenbeschäftigungen,insbesondere seinen Studien auf den Gebieten der Welt-beschreibung und der Geschichte. Übrigens ließ er keinenAugenblick, der ihm für wissenschaftliche Beschäftigung übrig blieb,unbenutzt vorübergehen. So oft er nämlich von Regiernngsgescliäftenfrei war, beschäftigte er sich mit Schreiben oder diktierte seinen Sekretärenetwas in das Sehreibrohr. Sein Hauptaugenmerk richtete er indessen auf dieWeltbeschreibung und auf wahrheitsgetreue Geschichtserzählungen, die erauch, um daran seine königlichen Grundsätze darzulegen, bei jedem Zu-sammensein mit Fürsten, vornehmlich im Kreise von Ausländern, vor-zutragen pflegte. Die Lage der Örtlichkeiten, die Verhältnisse der Länderund Meere wußte er nach den Karten des Ptolemäos 1 aufs genauesteanzugeben. Auf die Ruhmestaten seiner Vorfahren kam er besonders gernzu sprechen. Daher hielt er auch diejenigen Fürsten des tiefsten Hasses

1 Bedeutender Mathematiker, Geograph und Astronom, der um 160 n. Chr.in Alexandria lebte.