Band 
Dritter Teil.
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14. Machiavelli über (len Fürsten, 151B.

Macliiavelli, Der Fürst, Kap. 18. Nach der Übersetzung von F. N.Baur, neu bearbeitet von Hanns Floerke.

Der Florentiner Nieeolö di Bernardo dei Maehiavelli, 1469—1527, ein geist-reicher und scharfsinniger Denker, gelangte nach der Vertreibung der Mediceerzu hohen Staatsämtern in seiner Vaterstadt; nach ihrer Rückkehr, 1512, wurdeer zunächst ins Gefängnis geworfen, dann verbannt, zuletzt aber begnadigt.Seine Bedeutung beruht weniger auf seinen Lustspielen und Sonetten, als aufseinen historisch-politischen Schriften: auf den Discorsi (Gesprächen), politischenBetrachtungen über die älteste römische Geschichte auf Grund der zehn erstenBücher des Livius, auf seinen staatsphilosophisch interessanten „FlorentinischenGeschichten“ (vgl. Bd. II des Quellenbuches, S. 293), besonders aber auf demBuch vom Fürsten, «II principe», das schon 1513 geschrieben war und 1532 inRom gedruckt wurde. Grundgedanke ist: nur durch die kräftige Tat einesFürsten, der über der Privatmoral steht, wie Cesare Borgia, kann Italien ausseiner Zersplitterung erlöst und zu einem nationalen Staat gestaltet werden.Das Buch machte großes Aufsehen: Karl V. las es aufmerksam, Papst Sixtus V.machte einen eigenhändigen Auszug, Katharina von Medici machte sich seineMoral zu eigen, die französischen Könige Heinrich III. und Heinrich IV. trugenes im Augenblick ihrer Ermordung bei sich, Friedrich der Große aber versuchte,es als Kronprinz im „Antimachiavell“ kurz vor seiner Thronbesteigung zuwiderlegen.

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Jedem ist es klar, daß es lobenswürdig ist, wenn ein Fürst seinWort hält und mit Rechtschaffenheit und ohne Hinterlist seinen Weg geht.Allein die Erfahrung unserer Tage lehrt uns, daß bloß jene Fürstenmächtig geworden sind, die es mit Treu und Glauben leicht nahmen undsich darauf verstanden, andere zu täuschen und zu betrügen, und daß jene,welche redlich ihre Verbindlichkeiten befolgten, am Ende übel wegkamen.

Zunächst muß man daher wissen, daß es zwei Arten des Kampfesgibt, einmal mit den Gesetzen und sodann mit der Gewalt. Die ersteArt ist Sache der Menschen, die zweite den wilden Tieren eigen. Aberbei der Unzulänglichkeit der ersten Kampfart muß man öfters zur zweitenseine Zuflucht nehmen. Ein Fürst muß also die Rolle eines Menschenund die einer Bestie zu spielen verstehen. Dies wollten uns die Altenoffenbar lehren, indem sie erzählen, wie Achilles und andere Fürstendes Altertums dem Zentauren Chiron in Zucht und Obhut gegeben wurden.Dies will doch nur sagen: weil der Lehrer halb Tier und halb Menschwar, hätten auch dessen Schüler beide Eigenschaften annehmen müssen,da die eine ohne die andere nicht lange bestehen könne. Indem nun einFürst genötigt ist, die Rolle eines wilden Tieres gut zu spielen, mußer sich den Fuchs und den Löwen zum Muster nehmen; der Löwe näm-lich entgeht den Netzen nicht, der Fuchs entwischt dem Wolfe nicht.Er muß daher ein Fuchs sein, um die Schlingen zu wittern und ihnenzu entgehen, und ein Löwe, um die Wölfe zu schrecken. Die, welchebloß Löwen sein -wollen, verstehen ihre Sache schlecht. Ein kluger Fürst