Luxus und der Liederlichkeit geübt. Wäre aber die ganze Masse derArbeiter mit den verschiedenen nützlichen Handwerken in der Weise be-schäftigt, daß sie selbst im Überflüsse alles lieferten, was der Bedarferheischt, so würde der Preis für Handarbeiten in dem Grade sinken,daß der Arbeiter von seinem Lohne nicht mehr leben könnte.
Angenommen also, daß man zu nützlichen Arbeiten sowohl die ver-anlaßte, die nur Gegenstände des Luxus verfertigen, als jene, die garnichts verfertigen, während jeder von diesen die Arbeit und den Lohnvon zwei wirklichen Arbeitern verbraucht, so würden Sie leicht einselien,daß diese Menschen mehr Zeit haben, als nötig wäre, um für die Be-dürfnisse, die Bequemlichkeiten und selbst die Vergnügungen des Lebenszu sorgen. Unter diesen Vergnügungen verstehe ich diejenigen, die sichauf Natur und Wahrheit gründen.
Der Zweck' der sozialen Einrichtungen in Utopien geht dahin, zu-erst dem öffentlichen und individuellen Verbrauche seine Bedürfnisse zusichern, dann aber jedem so viel wie möglich Zeit zu lassen, um sichder Knechtschaft des Leibes zu entledigen, seinen Geist frei auszubildenund seine geistigen Anlagen durch das Studium der Künste und Wissen-schaften zu entwickeln. Nur in dieser vollständigen Entwicklung findensie das wahre Glück. —•
In Utopien, wo alles allen gehört, kann niemand an irgend etwasMangel leiden, sobald die öffentlichen Speicher gefüllt sind; denn dasStaats vermögen wird in diesem Lande nie ungerecht verteilt; man siehtdort weder Arme noch Bettler; und obgleich niemand etwas sein eigennennt, ist dennoch jeder reich. Gibt es in der Tat einen schöneren Reich-tum, als den, der uns heiter und ruhig, ohne Unruhe und Sorge zu lebenerlaubt? Gibt es ein schöneres Los, als seiner Existenz halber nicht zitternzu müssen, nicht durch die unaufhörlichen Bitten und Klagen einer Gattinermüdet zu werden, für seinen Sohn keine Armut zu fürchten, sich nichtüber die Aussteuer seiner Tochter zu beunruhigen — sondern sicher undfurchtlos zu sein wegen der Existenz und Wohlhabenheit für sich undall die Seinen, Gattin, Kinder, Enkel, Urenkel, bis auf die entferntesteNachkommenschaft, womit ein Adeliger sich brüsten kann? —
Ist es gerecht, daß ein Adeliger, ein Goldschmied, ein Wucherer,ein Mensch, der entweder nichts oder nur dem Staate unnütze Gegen-stände hervorbringt — ist es gerecht, daß diese im Schoße der Untätig-keit oder bei leeren Beschäftigungen ein angenehmes und glänzendes Lebenführen, während der Taglöhner, der Kärrner , 1 der Handwerker, derAckersmann in tiefem Elende leben und sich kaum die notdürftigsteNahrung verschaffen? Gleichwohl sind diese zu so langer und beschwer-licher Arbeit gezwungen, wie sie die Lasttiere kaum ertragen würden,zu so notwendigen Arbeiten, daß nicht eine einzige Gesellschaft ein Jahrohne sie bestehen könnte. In der Tat scheint der Zustand eines Last-tiers tausendmal besser; dieses arbeitet nicht so lange, seine Nahrungist nur wenig schlechter und sogar seinem Geschmacke angemessen. Unddann fürchtet das Tier nichts von der Zukunft.
1 Karrenführer.