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zuvörderst Deutschland, drückt, und die nicht allein mich, sondern jeder-mann bewegt hat, vielmals zu schreien und Hilfe zu begehren, hat michauch jetzt gezwungen zu schreien und zu rufen, ob Gott jemand denGeist geben wollte, seine Hand zu reichen der elenden Nation. Es istoft durch Konzilien etwas vorgebracht, aber durch etlicher Menschen Listbehändiglich verhindert und immer ärger geworden, welche Tücke undBosheit ich jetzt, Gott lielf’ mir, aufzudecken gedenk’, auf daß sie, er-kannt, hinfort nicht mehr so hinderlich'und schädlich sein möchten. Gotthat uns ein junges, edles Blut 1 zum Haupt gegeben und damit vielHerzen zu großer, guter Hoffnung erweckt; daneben will sich’s ziemen,das Unsere dazu zu tun und der Zeit und Gnade nützlich zu brauchen.
Die Romanisten haben drei Mauern mit großer Behendigkeit umsich gezogen, damit sie sich bisher beschützt, daß sie niemand hat mögenreformieren, dadurch die ganze Christenheit greulich gefallen ist.
Zum ersten, wenn man auf sie gedrungen mit weltlicher Gewalt,haben sie festgesetzt und gesagt: weltliche Gewalt habe nicht Recht übersie, sondern umgekehrt, geistliche sei über die weltliche. Zum andern,hat man sie mit der heiligen Schrift wollen strafen, setzen sie dagegen:es gebühre niemand, die Schrift auszulegen, denn dem Papst. Zum dritten,dräuet man ihnen mit einem Konzilium, so erdichten sie, es könne nie-mand ein Konzilium berufen, denn der Papst. Also haben sie die dreiRuten uns heimlich gestohlen, daß sie mögen ungestraft sein, und sichin sicheren Besitz dieser drei Mauern gesetzt, alle Büberei und Bosheitzu treiben, die wir denn jetzt sehen.
Nun helf’ uns Gott und geb’ uns der Posaunen eine, damit dieMauern Jerichos wurden umgeworfen, daß wir diese strohernen undpapiernen Mauern auch umblasen und die christlichen Ruten, Sünde zustrafen, losmachen, um des Teufels List und Trug an den Tag zu bringen,auf daß wir durch Strafe uns bessern und seine Huld wieder erlangen. —
Nun wollen wir sehen die- Stücke, die man billig in den Konziliensollte verhandeln, und mit denen Päpste, Kardinale, Bischöfe und alleGelehrten sollten billig Tag und Nacht umgehen, so sie Christum undseine Kirche lieb hätten; wo sie aber das nicht tun, daß der Haufe unddas weltliche Schwert dazu tue, unangesehen ihr Bannen oder Donnern.Zum ersten ist’s greulich und erschrecklich anzusehen, daß der Oberstein der Christenheit, der sich Christi Stellvertreter und St. Peters Nach-folger rühmt, so weltlich und prächtig fährt, daß ihn darinnen keinKönig, kein Kaiser kann erreichen und ihm gleich werden, und in dem,der allerheiligst und geistlichst sich läßt nennen, weltlicheres Wesen ist,denn die Welt selber ist. Er trägt eine dreifältige Krone, wo die höchstenKönige nur eine Krone tragen: gleicht sich das mit dem armen Christound St. Peter, so ist’s ein neu Gleichen.
Wozu ist das Volk, das da heißt die Kardinale, nütz in der Christen-heit? Das will ich dir sagen. Welsch- und Deutschland haben viele reicheKlöster, Stifter, Lehen und Pfarren; die hat man nicht gewußt, bessergen Rom zu bringen, denn daß man Kardinale machte nnd denselben
1 Karl V.