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die Bistümer, Klöster, Prälaturen zu eigen gebe und Gottes Dienst alsozu Boden stieße. Drum sieht man jetzt, daß Welschland fast wüst ist,Klöster verstört, Bistümer verzehrt, Prälaturen und aller Kirchen Zinsegen Bom gezogen, Städte verfallen, Land und Leute verdorben, da keinGottesdienst noch Predigt mehr geht. Warum? Die Kardinäle müssen dieGüter haben; kein Türke hätte Welschland so mögen verderben undGottes Dienst niederlegen. Nun Welschland ausgezogen ist, kommen sieins deutsche Land, heben fein säuberlich an.
Wenn man von des Papstes Hofe ließe nur den hundertsten Teilbleiben und täte ab neunundneunzig Teile, so wäre er dennoch großgenug, Antwort zu geben in des Glaubens Sachen. Nun aber ist ein solchGewürm und Geschwürm in dem Rom, und alles rühmt sich päpstlich,daß zu Babylonien nicht ein solch Wesen gewesen ist. Es sind mehr denndreitausend päpstliche Schreiber allein; wer will die anderen Amtleutezählen, wo der Ämter so viel sind, daß man sie kaum zählen kann,welche alle , auf die Stifter und Lehen Deutschlands warten wie Wölfeauf die Schafe. Ich acht’, daß Deutschland jetzt weit mehr nach Romgibt dem Papst, denn vor Zeiten den Kaisern.
Zur Besserung des „christlichen Standes“ bringt Luther unter andermnun folgende Vorschläge;
Daß der Papst über den Kaiser keine Gewalt habe, als daß er ihnauf dem Altar salbe und kröne, wie ein Bischof einen König krönt, undje nicht die teuflische Hoffart hinfort zngelassen werde, daß der Kaiserdes Papstes Füße küsse oder zu seinen Füßen sitze oder, wie man sagt,ihm den Steigbügel halte und den Zaum seines Maulpferdes, wenn eraufsitzt zu reiten; noch viel weniger dem Papst huldige und treue Unter-tänigkeit schwöre, wie die Päpste unverschämt vornehmen zu fordern,als hätten sie Recht dazu.
Daß man die Wallfahrten gen Rom abtäte oder niemand aus eigenemVorwitz oder Andacht wallen ließe, es würde denn zuvor von seinemPfarrer, Stadt- oder Oberherrn erkannt, daß er genugsam und redlichUrsache dazu habe.
Daß man alle Feste 1 abtäte und allein den Sonntag behielte; wollteman aber je unserer Frauen 2 und der großen Heiligen Feste halten, daßsie alle auf den Sonntag würden verlegt oder nur des Morgens zur Messegehalten, und daß man danach ließe den ganzen Tag Werktag sein !Ursache: da jetzt der Mißbrauch mit Saufen, Spielen, Müßiggang undallerlei Sünde geht, so erzürnen wir mehr Gott auf die heiligen Tage,denn auf die andern. Dazu nimmt der gemeine Mann zwei leiblicheSchäden über diesem geistlichen Schaden, nämlich, daß er an seinerArbeit versäumt wird, dazu auch mehr verzehret denn sonst, ja auchseinen Leib schwächt und ungeschickt macht; wie wir das täglich sehen,und doch niemand zu bessern gedenkt. Und hier sollte man nicht danachfragen, ob der Papst die Feste eingesetzt hat, oder ob man eine Dis-
1 Heiligenfeste. — 2 Maria.