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Darauf entgegnete ich: «Weil Eure geheiligte Majestät und EureHerrlichkeiten es verlangen, so will ich eine schlichte Antwort geben,die weder Hörner noch Zähne hat: es sei denn, daß ich durch dasZeugnis der Heiligen Schrift oder vernünftige Gründe überwunden werde— denn weder dem Papst noch den Konzilien allein vermag ich zuglauben, da es feststeht, daß sie wiederholt geirrt und sich selbst wider-sprochen haben — sonst bin ich überwunden durch die Schrift, aufdie ich mich gestützt, so ist mein Gewissen im Gotteswort gefangen, unddarum kann und will ich nichts widerrufen, weil gegen das Gewissenzu handeln gefährlich ist. Gott helfe mir! Amen .» 1
Der Offizial antwortete hierauf nur ganz kurz: es sei unmöglich,den Konzilien Irrtümer nachzuweisen. Martin hingegen erklärte, er könneund wolle es zeigen.
Da es aber im Saal dunkel geworden war, ging man allgemein nachHaus. Als Luther aber das Verhör vor dem Kaiser verließ, verfolgtenviele Spanier mit Flüchen und Verwünschungen den Gottesmann unterlautem Lärm.
23. Albrecht Dürer über Luther, Mai 1521.
Hans Wolff, Albrecht Dürers Briefe, Tagebücher und Reime. S. 89 ff.Die Schreibweise ist vereinfacht, Wortklang und Satzbau aber beibehalten.Dürer, 1471—1528, befand sich in den Jahren 1520—21 auf einer Reise in denNiederlanden. Da vernahm er vom plötzlichen Verschwinden Luthers, am 4. Mai1521, nach dem Wormser Reichstag. Der wahre Sachverhalt war ihm unbekannt.In der Erregung' trug er die folgende Stelle in sein Tagebuch ein.
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Am Freitag vor Pfingsten 5 im 1521. Jahr kamen mir Mähr genAntorff 3 , daß man Martin Luther so verrätlierlich gefangen hätt . . .Und lebt er noch oder haben sie ihn gern ordert, das ich nit weiß, sohat er das gelitten um der christlichen Wahrheit willen und um daß ergestraft hat das unchristliche Pabsttum, das do strebt wider ChristusFreilassung mit seiner großen Beschwerung der menschlichen Gesetzt,und auch darum, daß wir unsers Blut und Schweiß also beraubt undausgezogen werden und dasselbige so schaudlich von müßiggehendem Volklästerlich verzehret wird, und die durstigen kranken Menschen darumHungers sterben müssen. Und sonderlich ist mir noch das Schwerest,daß uns Gott vielleicht noch unter ihrer falschen blinden Lehr will lassenbleiben, die doch die Menschen, die sie Väter nennen, erdichtt und auf-
1 Die vielzitierte volle Form: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gotthelfe mir! Amen“, ist wahrscheinlich nnhistorisch.
8 17. Mai. — 3 Antwerpen.