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Man muß nicht die Buchstaben in der lateinischen Sprachen fragen,wie man soll deutsch reden, wie diese Esel 1 2 tun, sondern man muß dieMutter im Hanse, die Kinder auf der Gassen, den gemeinen Mann aufdem Markt drumb fragen, und denselbigen auf das Maul sehen, wie siereden, und darnach dolmetschen, so verstehen sie es denn, und merken,daß man deutsch mit ihn redet. Als wenn Clirisus spricht: Ex abundantiacordis os loquitur. Wenn ich den Eseln soll folgen, die werden mir dieBuchstaben furlegen, und also dolmetschen: Aus dem Überfluß desHerzen redet der Mund. Sage mir, ist das deutsch geredt ? WelcherDeutscher verstehet solchs? Was ist Überfluß des Herzen für ein Ding?Das kann kein Deutscher sagen, er wollt denn sagen, es sei, daß einerallzu ein groß Herz habe, oder zu viel Herzes habe. Wiewohl das auchnoch nicht recht ist. Denn Überfluß des Herzen ist kein Deutsch; sowenig als das Deutsch ist, Überfluß des Hauses, Überfluß des Kachel-ofens, Überfluß der Bank, sondern also redet die Mutter im Haus, undder gemeine Mann: Wes das Herz voll ist, des gehet der Mund über.Das heißt gut Deutsch geredt; des ich mich geflissen, und leider nichtallwege erreicht noch troffen habe. Denn die lateinischen Buchstabenhindern aus der Massen seher, gut Deutsch zu reden.
Wer dolmetschen will, muß große Vorrat von Worten haben, daß erdie Wohl 5 könne haben, wo eins an allen Orten nicht lauten will. Undwas soll ich viel und lange sagen von Dolmetschen? Sollt ich aller meinerWort Ursachen und Gedanken anzeigen, ich müßte wohl ein Jahr dranzu schreiben haben. Was Dolmetschen für Kunst und Arbeit sei, dashab ich wohl erfahren; darumb will ich keinen Papstesel noch Maulesel,die nichts versucht haben, hierin zum Richter oder Tadeler leiden. "Wermein Dolmetschen nicht will, der laß es anstehen; der Teufel dankeihm, wer’s ungerne hat, oder olin meinen Willen und Wissen meistert.Soll’s gemeistert werden, so will ieh’s selber tun; wo ich’s selber nichttu, da lasse man mir mein Dolmetschen mit Frieden, und mache einIglicher, was er will, für sich selbs, und habe ihm ein gut Jahr. 3
Das kann ich mit gutem Gewissen zeugen, daß ich meine höchsteTreu und Fleiß drinnen erzeigt, und nie kein falsche Gedanken gehabthabe: denn ich habe keinen Heller dafür genommen, noch gesucht, nochdamit gewonnen; so hab ich meine Ehre drinne nicht gemeinet, das weißGott, mein Herr, sondern hab’s zu Dienst getan den lieben Christen,und zu Ehren einem, der droben sitzet, der mir alle Stunde so vielGuts tut, daß, wenn ich tausendmal so viel und fleißig gedolmetscht,dennoch nicht eine Stunde verdienet hätte zu leben, oder ein gesundAuge zu haben.
1 Luther bezeichnet damit vor allem die Papisten.
2 Wahl.
3 D. h. lasse es sich'gut gehen.