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33. Die Lehre der Wiedertäufer, 1534.
Bernhard Rottmann, Restitution rechter und gesunder christlicherLehre, 1534; Neudruck, Halle 1888. Nach Rinn und Jüngst.
Rottmann, geh. um 1495 zu Stadtlohn im Bistum Münster, wirkte seit1531 zu Münster i. W. als Prediger in reformatorischem Sinne. Mit der neuenLehre zogen aber auch wiedertäuferische Ansichten in Münster ein und ge-wannen, von Rottmann eifrig gefördert, die Oberhand. Im Januar 1534 erhielter selbst die Wiedertaufe. Im Oktober erschien seine „Restitution“; sie wurdemassenhaft verbreitet, um die Täufer zum Kampfe gegen die Gottlosen aufzu-rufen und die in Münster belagerten Täufer zu entsetzen. Wahrscheinlich fielRottmann 1535 bei der Eroberung Münsters.
1. Wir sagen, die Restitution hat begonnen zu Luthers Zeiten, aberwir leugnen, daß sie geendigt und vollbracht sei. Durch die Gelehrtenist der Abfall gekommen und zu den Ungelehrten durchgedrungen; sohat Gott auch die Restitution begonnen durch die Gelehrten, und durchdie Ungelehrten will er sie aufs herrlichste hinausführen, auf daß erallein die Ehre habe. Demnach sieh an, wie Erasmus, Luther und Zwingliden Anfang gemacht haben, aber von Melchior, 1 Johann Matthys 2 undunserm Bruder Johann von Leijden, 3 die von der Welt ganz ungelehrtgeachtet werden, die Wahrheit herrlich eingeführt ist.
1 Melchior Hofmauu, ursprünglich ein Kiirschuer aus Schwäbisch-Hall, hattevor allem in Nordeuropa die Wiedertäuferei gepredigt und besonders in denNiederlanden viele Anhänger, Melckioriten, gewonnen, die in großer Zahl nachMünster kamen.
2 Kerßenbroick, ein Zeitgenosse, erzählt von diesem früheren Bäckerund unumschränkten Machthaber im Reich der Wiedertäufer: „Der Prophet rißgeistliche wie weltliche Geschäfte an sich und fing an, beim Volke außerordent-lichen Einfluß zu genießen und galt mehr als irgend einer der Ratsherren. Keineprivate noch öffentliche Sache wurde ohne seinen Rat gehandhabt.“
3 Über diesen Schneider und spätem „König des neuen Israel“, der nachdem Soldatentod des Jan Matthys an die Spitze der Wiedertäufer trat, berichtetKerßenbroick: „Da der Prophet in solchem Ansehen bei den Seinen stand,glaubte er, daß die Bahn zur Königsherrschaft für ihn frei sei. — Am fest-gesetzten Tage tritt er in die Versammlung des Volkes und verkündet, ihm seivom Vater enthüllt worden, daß im neuen Volke Israel eine neue Regierungs-form bestehen solle. Zugleich erwählte er zwölf Männer, die ihm ganz besondersergeben waren. Diese nannte er die Ältesten der zwölf Stämme Israels, inderen Händen die Gerichtsbarkeit in geistlichen und weltlichen Angelegenheitenliegen sollte. — Da der Satan bemerkte, daß sein Reich nicht so sehr unterder Regierung vieler, als der Herrschaft der Tyrannei eines Mannes ausge-breitet werden könne, erweckt er einen andern Propheten in der Stadt, JohannDusentsehner mit Namen. Dieser beruft eine zahlreiche Versammlung auf denMarkt und spricht: „Der Vater im Himmel hat mir enthüllt, daß JohannesBockelson aus Leijden, der Mann Gottes und heiliger Prophet, über den ge-samten Erdkreis herrschen werde. Nimm das Schwert der Gerechtigkeit und