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läge ab und hatten fast täglich Tanz auf deutsche und auf welsche Art,abends und am hellen Tag. Waren doch so viele Damen von königlichemund fürstlichem Geblüt zugegen mit einer stattlichen Zahl von fürstlichenund gräflichen Fräulein, die alle schön und wohlgeputzt und von adligerHerkunft waren.
Der römische Kaiser hielt keinerlei Bankett ab, und kein Menschwar bei ihm zu Gaste. Wenn er aus der Kirche kam und in seine Ge-mächer ging, da begleiteten die Herren ihn wohl und machten ihre Auf-wartung. Da gab er ihnen dann auch die Hand, dem einen nach demandern, und damit waren sie wieder entlassen. Bei Tisch sprach er keinWort. Da standen wohl ein paar Schalksnarren hinter ihm, die allerleiPossen rissen. Er aber kümmerte sich gar nicht darum. Höchstens verzoger einmal den Mund zu einem Lächeln, wenn sie etwas gar zu Komischesgesagt hatten.
Auf diesem Reichstag hat die kaiserliche Majestät sich mit denReichsständen dahin verglichen, daß sie miteinander einige taugliche undgottesfiirchtige Personen einsetzen wollten, damit diese eine Ordnungaufstellten, die dem Deutschen Reiche Ruhe und Frieden in Religions-sachen bringen sollte. Als sich aber die eingesetzte Kommission nicht hateinigen können, haben der Bischof von Naumburg, Herr Julius Pflug,und der brandenburgische Hofprediger Agricola gemeinsam das BuchInterim 1 zusammengetragen und es vor die kaiserliche Majestät bringenlassen. Als alles fertig war, wurde den Katholiken von seiten des Papstesund Seiner kaiserlichen Majestät das Rückgrat gestärkt. Die Evange-lischen aber vom Fürstenstande sowie unter den Gelehrten waren klein-mütig und unbeständig. Ja, es kam ihnen mehr auf den eigenen Vorteilan. Es lag ihnen daran, bei Kaiser und Papst und der großen Mengeetwas zu gelten. So unterwarfen sie sich dem Interim in aller Unter-tänigkeit, und die Glocke des ganzen Werkes wurde gegossen, poliertund so verfertigt, daß man an allen Seiten daran läuten und ziehenkonnte. Am 15. Mai gegen 4 Uhr nachmittags ist das Interim öffentlichbekannt gegeben worden. Da stand der Erzbischof und Kurfürst vonMainz als des Römischen Reiches Erzkanzler auf und sagte dem Kaiserfür seine große Mühe und Arbeit den tiefsten Dank des Reiches.
Als nun die kaiserliche Majestät nach Beendigung des Reichstagesvon Augsburg nach den Niederlanden zog, habe ich es mit angesehen, wiedie Interimsangelegenheit zu Ulm in Angriff genommen wurde. Der Kaisersetzte nämlich ohne weiteres den alten Rat ab und verordnete einenneuen, der dem Kaiser in allem gehorsam und zugetan war, auch inSachen des Interims. Mit den sechs Predigern redete er eine gar harteSprache. Vier von ihnen, die sich nicht überreden lassen wollten, wurdengefangen fortgeführt. Und auch die zwei, welche abfielen, wurden hart
1 Diese von einigen katholischen und protestantischen Vermittlungstheo-logen geschaffene Ordnung der konfessionellen Verhältnisse sollte nur einst-weilen, interim, bis zur endgültigen Regelung durch ein Konzil gelten. Natur-gemäß war die Interimsreligion in der Hauptsache katholisch und daher beiden Protestanten äußerst verhaßt.