Band 
Dritter Teil.
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unter wer weiß was für teuflischen Vorwänden, neue Bullen verkündigt.Mit gröbstem Betrug, den ein Kind mit Händen greifen kann, gehen siedaran, ihr Stückchen zu spielen. Hierzu wählen sie einen Menschen mitfrecher Stirn und vorzüglicher Kehle, der herumziehend in den Städtenund auf dem Lande das Lob der Bullen unverschämt ausschreit. Undzwar geschieht dies mit den Phrasen einer vorgeschriebenen Predigt,mit der er zur Vorführung des Stückes ausgerüstet ist, in der Fasten-zeit, wo der Schacher mit den Bullen am meisten betrieben wird. Zuvorwird das Volk zum Anhören der Predigt in die Kirche berufen, mit demZusatz, daß den Abwesenden den Bannstrahl treffe. Dann beginnt derBetrüger von der Kanzel mit hochtrabenden Worten das Glück unseresZeitalters zu preisen, dem durch Gottes wunderbaren Ratschluß beschie-den sei, was einst unsre Väter nicht haben schauen können. Alsdannbringt er die Bulle zum Vorschein und zeigt sie der ganzen Versammlungwie etwas, das vom Himmel herabgekommen. Maßlos und schamlos rühmter ihre Kräfte. Dabei erzählt er auch einige Märchen, um die Herzendes Volkes leichter zu ködern. Genug, so geübt ist der Betrüger in derKunst, die Gemüter zu erregen, daß er allmählich die ganze Versammlungin Spannung versetzt und die Herzen der Zuhörer dahin bringt, wohiner will, so daß die unerfahrenen Menschen wirklich glauben, etwas ganzHimmlisches und Göttliches zu sehen, während der edle Redner dochnichts als lauter Lügen und schreckliche Gotteslästerungen vorzeigt underzählt. Die hauptsächlichste derselben ist die Behauptung, die Wirksam-keit dieser Bulle sei so groß, daß sie Kraft und Vermögen aller früherenauslösche; wenn diese nicht dazu gekauft werde, könnten jene ihre Wirk-samkeit nicht behalten. Die Wirkungen aber, welche die Bulle verheißt,sind mit ebensoviel Gottlosigkeit als Schlauheit ausgesonnen. Wer siegekauft hat, kann an gewissen Tagen eine Seele aus dem Fegfeuer be-freien, an andern Tagen selber die Vergebung der Sünden und die Los-sprechung von Schuld und Strafe erlangen, und in solchen Ungeheuer-lichkeiten geht es weiter bis ins Unendliche. Vornehmlich aber sind vielegezwungen, die Bulle zu kaufen, damit sie die Erlaubnis bekommen, inder Fastenzeit und an sonstigen Fischtagen Eier- zu essen oder solcheSpeisen, die mit Milch bereitet werden; denn der Genuß dieser Dingeist in Spanien verboten mit drohend geschwungenem Bannstrahl, undTodesstrafe ist darauf gesetzt, wenn jemand verbotene Speise zu genießenwagt, ohne im Besitz einer Bulle zu sein. Und da Spanien größtenteilsBinnenland ist und häufig nichts anderes Eßbares aufzuflnden ist alsFrüchte und jene verbotenen Dinge, so sind alle Leute gezwungen, dieBulle zu kaufen, damit sie mit ruhigem Gewissen die verbotenen Speisen,nämlich Eier und Milchspeisen, essen dürfen. Wenn nun der trefflichePrediger die Seelen des Volkes zu seiner Anschauung hinübergezogenhat, werden von den angeworbenen Mitspielern dieser Posse unzähligeBullen in der Kirche ausgeteilt, und alle Anwesende nehmen diese Bullen-schätze, die auf dem schmutzigen Papier stehen und ohne die sie nichtleben zu können glauben, in Empfang. Unterdessen ermahnt der Schwindlerauf der Kanzel das Volk zur Freigebigkeit; mit offenen Armen solltensie diese Gottesgaben aufnehmen, und zum Zeichen herzlicher Dankbar-