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keit gegen Gott ihre Almosen darbringen. Sobald er sieht, daß alle be-dient sind, verheißt er ihnen noch einmal unendliche Glückseligkeit undmacht des Redens ein Ende. Am nächsten Tag laufen die Betrüger in derganzen Stadt umher, um das Geld für die Bullen einzusammeln. Hierbeiverüben sie nun unerhörte Grausamkeiten. Denn es geschieht oft, daßviele arme Leute, die durch ihre tägliche Arbeit für sich und eine zahl-reiche Familie den Lebensunterhalt erwerben, das Geld nicht bereit haben.Dann stoßen sie die Unglücklichen ins Gefängnis, verhindern sie an ihrerArbeit und wüten auf sie ein mit dem Bannstrahl. Sie nehmen sogardie Kleider aus den Häusern weg, die Betten von' den Lagerstätten;und so unwürdig behandeln sie diese armen Menschen, daß Eltern undkleine Kinder, ja die ganze Familie, eher sogar Hungers sterben muß,als daß diese betrügerischen Dunstmaclier sich für ihre Lügen auch nureinen einzigen Heller entgehen ließen oder einen Aufschub der Zahlungduldeten. Wenn sie nun alles Geld herausgepreßt haben, täuschensie die Menschen mit einer neuen List. Sie reden ihnen ein, daß ihnenvom Papst die der Bulle innewohnende Kraft unverkürzt zuteil ge-worden sei, wenn sie die Zahlung geleistet haben, auch wenn sie dieBulle selbst nicht behalten. Auf diese Weise bringen sie für zwei oderdrei Heller die Bulle wieder an sich, die sie dann vermöge solcher Lügenoch drei- oder viermal verkaufen und zurückkaufen. So groß ist über-dies die Verranntheit der Leute, so groß der Stumpfsinn, so groß dieVerwüstung der Gewissen, daß kein Vater, kein Gatte glaubt, die gleicheBulle könne auch für den Sohr, und die Gattiu mitgelten. So müssennicht selten von der gleichen Familie zwanzig, dreißig Bullen im Jahrgekauft werden, was so viel Geld verschlingt, daß die Mittel kleiner Leutedurch das bloße Bullenkaufen erschöpft werden.
44. Ein spanisches Auto de Fe, 21. Mai 1559.
„Bericht über dieDinge, welche geschehen sind bei dem Autozu Valladolid .. ,“ 21. Mai 1559. Schäfer, Beiträge zur Geschichte desspanischen Protestantismus und der Inquisition im sechzehnten Jahrhundert.,Bd III, S. 1 ff. Stark gekürzt.
Die spanischen Autos de Fe, portugiesisch Autos da Fe, Glaubenshandlungen,waren öffentliche Schaustellungen der Verurteilten, zu denen außer einem zahl-reichen Publikum oft auch der Hof erschien. Die Verbrennung der strafwürdigstenKetzer fand aber nicht in der Arena der Autos, sondern durch die weltlicheGewalt auf öffentlichem Platze vor den Toren statt. Das im folgenden Berichtgeschilderte Auto de Fe gehört zu den berühmtesten ans der Zeit Philipps II.
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Erstlich kamen ein Viertel vor sechs Uhr an dem Morgen des Tagesder Trinität 1 zu einer Schaubühne, um beim Auto zugegen zu sein undes zu sehen, der Prinz Don Kariös und die derzeitige Prinzessin-Regentin
1 21. Mai 1559.