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Was mich betrifft, so möchte ich nicht um alle Güter der Welteinen solchen Gedanken in mich aufnehmen und so schlecht von einerFürstin denken. Noch weniger möchte ich es von Euch tun, der ichalles erdenkliche Gute wünsche und jeden Segen, den Ihr für Euchselber erfleht. Aber gerade deshalb ermahne, bitte und rate ich Euch,die Sache ernstlich zu verfolgen, den Mann, der sich dieses Verbrechensschuldig gemacht hat, festnehmen zu lassen — und wäre es Euer nächsterFreund — und keinen Interessen und Ratschlägen zu folgen, die Euchabhalten, der Welt zu zeigen daß Ihr eine ehrenhafte Fürstin und eineloyale Frau seid. Ihr mögt weisere Eatgeber haben, als ich es bin, aberselbst unser Herr hatte einen Judas unter Zwölfen, während ich sicherbin, daß Ihr keinen treueren Freund haben könnt als mich, und daßmeine Freundschaft die listigen Ratschläge anderer aufwiegt.
52. Die Hinrichtung <ler Maria Stuart, 18. Februar 1 1587.
Dominique Bourgoing, Journal inedit. M. R. Ohantelauze, MarieStuart, son proces et son execution, S. 577 f.
Bourgoing, der Leibarzt der Maria Stuart, hat Prozeß und Hinrichtung derKönigin in einem ausführlichen „Tagebuch“ geschildert. Wann er seine Auf-zeichnungen gemacht hat, ist allerdings unbekannt, doch ist seine Darstellung fürdie letzten Lehensstunden Marias allem Anschein nach eine glaubwürdige Quelle.
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In der Nacht, nachdem sie unausgekleidet einige Stunden ausgeruht,legte sie schriftlich ihren letzten Willen nieder, so ausführlich als sie inder kurzen Zeit, die ihr zur Verfügung stand, konnte, traf ihre An-ordnungen in betreff ihrer Möbel und der Reise ihrer Diener und teiltejedem sein Geld aus nach ihrem Willen. Am Morgen sprach sie wieder-um ihren Dienern Mut zu, zog sich dann zurück zum Gebet und ver-harrte im Gebet bis der Sheriff 2 kam, ungefähr um neun Uhr, und siewegführte, ohne zu erlauben, daß irgend einer ihrer Diener ihr folgte.Unten an der Treppe traf sie Melvim, 3 der sich vor ihr auf die Kniewarf und von ihr Abschied nahm; und man sah, wie schwer ein solcherAbschied ihm fiel, wie ein solcher Anblick nach so langer Trennungihn schmerzte.
Ihre Majestät hatte am Tage vorher den Wunsch geäußert, ihnnoch vor ihrem Tode zu sehen. Auf ihr dringendes Begehren wurde ihrgewährt, daß Melvim, ferner Bourgoing, Gervais, Georgeon, Didier, Je-hanne Kennedy und Espetz Cnrlle bei ihrem Tode zugegen sein durften, 4bei welchem sie nach dem Zeugnis aller ihren königlichen Heldenmut,
1 8. Februar alten Stils; England nahm den gregorianischen Kalender erst1752 an.
2 Richter, der für die Vollstreckung der Todesstrafe sorgte.
3 Melvim oder Melville, Ratgeber und Vertrauter der Maria Stuart.
4 Nachdem Maria sich verbürgt hatte, daß niemand durch Wehklagen störenwerde, war ihrer Umgebung gestattet worden, der Hinrichtung beizuwohnen.