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Auch dies bringt man gegen die Erwählung vor, daß sie alles sitt-liche Streben zu Grunde richten müsse. Man sagt: wenn der Mensch hört,daß er durch Gottes ewigen und unabänderlichen Beschluß zum Lebenoder zum Tode bestimmt sei, so müsse er jedes Interesse an einer sitt-lichen Lebensführung verlieren, da ja sein Tun die göttliche Zuvorbe-stimmung weder hindern noch herbeiführen könne. So werde jedermannnach seiner Lüsternheit sich kopfüber in sittenloses Wesen stürzen. Dasist nicht durchaus erlogen; denn es gibt viele unreine Menschen, welchedie Erwählung mit einem lästerlichen Wandel schmähen. Die heilige Schriftaber predigt diese Lehre nicht, um uns frech zu machen, sondern viel-mehr um uns zu demütigen, damit wir vor Gottes Gericht zittern undzu seinem Erbarmen aufschauen lernen. Nach dem Wort des Paulus (Eph. 1,4)wurden wir erwählt, damit wir ein heiliges und unsträfliches Leben führensollen. Ist dies das Ziel der Erwählung, so müssen wir dadurch vielmehrzu eifrigstem sittlichem Streben erweckt werden; als daß wir einen Vor-wand zur Trägheit bekämen .... Weil wir nicht wissen, wer zur Zahlder Auserwählten gehört oder nicht, so müssen wir uns mit einem Sinnrüsten, der alle zur Seligkeit bringen will.
B. Bürgerliche Ordnung und Obrigkeit.
Institutio, Kap. 20. Nach der Bearbeitung und Übersetzung von E. F.Karl Müller, Kap. 14, S. 586 ff., 597.
Ein Unterschied zwischen Christi innerlicher Herrschaft und dembürgerlichen Regiment ist kein Gegensatz. Christi Regiment läßt gewisseSpuren des Himmelreichs schon jetzt auf Erden anheben und macht diessterbliche und flüchtige Leben zu einem Vorhof der ewigen und unver-gänglichen Seligkeit. Dagegen hat, solange wir unter den Menschen leben,das irdische Regiment die Aufgabe, die äußere Gottes Verehrung zu er-halten und zu schützen, die gesunde Lehre der Frömmigkeit und denWohlstand der Kirche zu verteidigen, unser Leben in die Gesellschaftder Menschen einzufügen, bürgerliche Gerechtigkeit und Sitte aufrechtzuerhalten und auf Eintracht, Ruhe und Frieden zu sehen. Die bürgerlicheOrdnung ist unter den Menschen ganz ebenso notwendig, wie der Ge-brauch von Wasser und Brot, Sonne und Luft — nur ist die öffentlicheOrdnung noch viel bedeutungsvoller.
So verschieden die Regierungsformen sind, darin ist kein Unterschied,daß sie alle uns als Gottes Ordnung zu gelten haben. Es läßt sich nichtsagen, welche Regierungsform die beste ist: es hängt darin viel von dengegebenen Umständen ab. Hat es dem Herrn gefallen, an die Spitze vonKönigreichen Könige zu stellen, an die Spitze von freien Staaten Rats-herren, so soll es unsere Sache sein, derjenigen Obrigkeit zu folgen undzu gehorchen, die uns gerade an unserem Orte gesetzt ist. Eine Aus-nahme erleidet unser Gehorsam gegen die Obrigkeit nur dann, wenn eruns vom Gehorsam gegen den Herrn abführen würde; seinem Willen sindalle Wünsche der Könige unterworfen, seinen Beschlüssen haben ihre Be-fehle zu weichen. Der Herr ist der König der Könige.- wenn er seinenheiligen Mund öffnet, muß man auf Ilm allein für alle und über alle hören.