Band 
Dritter Teil.
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sie die Freiheit lieben, lassen sie sich zu Sklaven machen durch anscheinendeLeutseligkeit ihrer Könige und Großen. Die Freiheit besteht bei ihnen inGeschwätzigkeit oder Verschwendung oder nutzlosem Gepränge. Weil sienun in keiner Sache Maß oder Ziel kennen, so erweisen sie sich, wennsie kühn in den Waffen sind, meistens verwegen und berechnen in keinerWeise die Gefahr, da sie es auch für Feigheit halten, sich ihr zu ent-ziehen. Hieraus entstehen so viele Duelle. Sie vermögen nicht viel aus-zuhalten, weil sie in einem Lande aufgewachsen sind, das ihnen alle Be-quemlichkeiten des Lebens reichlich liefert. Die meiste Treue findet sichbei ihnen im Duelle, in dem sie weder einen Verrat noch irgend eineSchändlichkeit begehen würden; für dieses halten sie die Ehre hoch.Sonst meinen sie, daß der Mensch sich der Schlauheit und der von ihrgewährten Vorteile in jeder Weise und in allen Fällen bedienen muß.Sie rühmen ihre Nation und verachten die andern. Dies rührt von dergroßen Meinung her, die sie von sich selbst haben; und dadurch werdensie hart und eigensinnig. Die Leidenschaften ihres Charakters erweisensie allgemein, indem sie nun fast die ganze Welt mit Krieg belästigthaben und in ihrem eigenen Lande selbst in steten Unruhen leben.

61. Albas „Rat der Unruhen“, 1568.

Emanued van Meteren, Historie der Nederlandscher ende haerder Na-buren Oorlogen ende geschiedenissen, tot den Jare 1612, fol; 53, 55. Nach derÜbersetzung in «Meteranus novus» Bd. I, 1669, S. 105, 110, — Stark gekürzt.

Emanuel van Meteren, 1535—1612, gebürtig ans Antwerpen, seit 1550 imKaufmannsberuf in London tätig, schrieb als Zeitgenosse ein berühmtes undfür die Kenntnis des niederländischen Aufstandes aufschlußreiches Werk, daserstmals 1596 in deutscher und lateinischer, 1599 auch in niederländischer Spracheerschien und mehrfache Ausgaben erlebte.

*

Als der Herzog, von Alba ins Regiment gekommen *, legte er seinKriegsvolk rund um sich her in die nächsten Städte. An Stelle derVersammlung des Rates der allgemeinen Landstände, setzte er einenneuen Rat, dem er Vollmacht gab, über alles, was die vorgekommenenEmpörungen einigermaßen anbetraf, zu richten und zu urteilen. DieserRat ward auf französisch Le Conseil des Troubles, auf deutsch aber derBlutrat genannt 1 2 . Er bestand aus Einheimischen und Ausländern; an-fänglich wurden etliche niederländische Herren beigezogen, die vornehmstenaber waren Jan Vargas, Del Rio . . . ., über welche der Herzog selbstPräsident sein wollte. Hernach ward aber der genannte Vargas Präsi-dent, ein Tyrann über alle Tyrannen, welcher nichts als Geld und Blut

1 Nach Brüssel.

'Der zwölfköpfige Blutrat stand ganz unter dem Einfluß der spanischenMitglieder. Er hatte die Urteile vorzubereiten, die der Statthalter in eigenemNamen verkündigte.