Band 
Dritter Teil.
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suchte. Aber die Spanier sagten, daß die räudigen Köpfe der Nieder-länder einer solchen scharfen Lauge bedürften. In den ersten zwei oderdrei Monaten kamen der Herzog selbst und die Herren nach Mittag zu-sammen, nach des Herzogs Gutdünken; er wollte haben, daß die Stimmender Ratsherren nur konsultativ und nicht dezisiv sein sollten; das heißt dieRatsherren sollten ermächtigt sein zu raten, aber nicht zu beschließen, sodaß alles auf ihn allein ankam, dem die andern nur zustimmen mußten.Durch diesen Rat, ja den Herzog allein, ward allen aiidern Landrätendie Autorität und Macht gänzlich genommen und die Einwohner all ihrerordentlichen Gerichtsbarkeit und Rechte beraubt. Des Herzogs Wille waran kein Gesetz oder jemand gebunden, sondern absolut und frei.

Als nun der Herzog von Alba mit seinem Rat sich des Regimentsbemächtigt hatte, ließ er allenthalben viele Gefangene umbringen undzwar in so großer Anzahl, daß bald alle Galgen und Bäume an denStraßen voll hingen. Im Anfang des Jahres 1568 hub der Herzog vonAlba 1 durch seinen Blutrat an, grauenhaft gegen die vorzugehen, diewegen der verlaufenen Unruhen auch nur etwelchermaßen angeschuldigtwerden mochten: solche, die zur Predigt gegangen waren, Prediger oderdergleichen Personen beherbergt oder sonst etwas mit ihnen zu schaffengehabt hatten, und dies in allen Provinzen, ohne Unterscheidung von Ade-ligen oder Unadeligen, besonders aber gegen die Reichsten, die nachBrüssel oder anderswohin zitiert wurden. Sehr wenige erschienen, dienicht gefangen gesetzt wurden-, den Ausbleibenden konfiszierte er vonStund an ihr Vermögen. Die weniger Vermöglichen ließ er nicht zitieren,sondern stracks fangen. Diese alle ließ er in großer Anzahl nach grau-samer Marterung und Peinigung inner- und außerhalb der Städte ent-haupten und hängen. Reichen Bürgern, die vierzig-, sechzig-, hundert-tausend Gulden Vermögen hatten, ließ er die Hände auf den Rückenbinden und sie so an einem Pferdeschwanz zum Galgen hinaus schleifen.Dies strenge Vorgehen erweckte allenthalben von Tag zu Tag größerenSchrecken unter dem Volke und verursachte ein umfangreiches Flüchten 2 ,

1 Wie verhaßt sich Alba in den Niederlanden machte, eTgibt sich daraus,daß Inschriften wie die folgende für sein Standbild in Antwerpen fabriziertwurden (Wenzelburger, Geschichte der Niederlande, Bd. II, S. 290):

„Das ist der Mensch, der sich vom Papste läßt regieren,

Reißt ihn herab und werft ihn vor den wilden Tieren!

Sieh hier den ärgsten Schelm, den je die Erde trug,

Der nie dem Sinn gewehrt, in Christenblut zu schwelgen;

Daß er ein Bluthund ist, zeigt sein Gesicht genug,

Der Niederlande Städte wollt’ er all’ vertilgen.

Man reiß’ das Herz ihm aus dem Leib und schlag’s ihm ins Gesicht,

Der Bluthund ist nicht wert das heilige Sonnenlicht.“

2 Ein Zeitgenosse, der niederländische Geschichtsschreiber Ho oft, äußertsich ähnlich über die Tätigkeit des Blutrates: „Wer war in allen Provinzenseines Kopfes sicher, da man s o zu Gericht saß, wo keine Gerichtsbarkeit irgendeines Hofes anerkannt, keine Berufung auf ein höheres Tribunal angenommen,