einen Auftrag oder eine Anstellung im Königreich hat, ohne daraus eineErwerbsquelle zu machen. Er berücksichtigt nicht, was er zu tun hat.,um seine Pflicht zu erfüllen, sondern nur, was er tun muß, um ausseinen Obliegenheiten Nutzen zu ziehen. Ein Heerführer beispielsweisewird keine Schlacht liefern, wenn er damit den Feind so vernichtendzu schlagen fürchtet, daß es keinen Krieg mehr gäbe. Die Straflosigkeit,das Ausbleiben der Vergeltung und die Bestechlichkeit tragen vieldazu bei.
CXLV. Es ist gefährlich, übelwollenden Personen den Zutritt zumKönige zu gestatten, weil die Gründe, die ihn nicht zu überzeugen ver-mögen, doch nicht ohne Eindruck auf sein Gemüt sind, und weil beiihm der Prozeß vielmehr nach der Zahl der Zeugen als nach dem Ge-wicht der Anklagen entschieden wird.
CXLIX. In einem Staats wesen mit seinen großen Aufgaben ist manim Interesse der allgemeinen Wohlfahrt gezwungen, die Gemeinden sooft zu benachteiligen, daß es gut ist, sie in weniger wichtigen Dingenzufriedenzustellen.
85. Rechtfertigung des Absolutismus, um 1700.
Bossuet, Politique tiree des propres paroles de 1’Ecriture-Samte, Brüssel1721. Übersetzt von Max Schilling.
Bossuet, 1627—1704, in einem Jesuiten-Kollegium erzogen, war ein be-rühmter Kanzelredner und bekleidete die Würde eines Bischofs von Condom,später von Meaux Als Erzieher des Dauphins gewann er einen Einfluß aufden Hof. Großen Eifer entwickelte er bei der Bekämpfung und Bekehrung derProtestanten. Er verteidigt vom theologischen Standpunkt aus die absoluteMonarchie.
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Die Monarchie ist die allgemeinste, die älteste und auch die natur-gemäßeste Regierungsform. Die ganze Welt beginnt mit Monarchien,und fast die ganze Welt hat sich darin wie in dem naturgemäßestenZustand erhalten.
Wenn sie die naturgemäßeste Regierung ist, so ist sie folglich auchdie dauerhafteste und daher auch die stärkste. Sie ist auch innererZwietracht am wenigsten ausgesetzt, die das Hauptübel der Staaten unddie Hauptursache ihres Verfalles ist, gemäß dem Worte: «Jedes König-reich, das mit sich selbst nneins ist, wird zerfallen; jede Stadt und jedeFamilie, die mit sich selbst uneins ist, wird nicht bestehen».
Wir haben gesehen, daß unser Herr in diesem Worte dem natur-gemäßen Fortschritt der Regierungsgewalt gefolgt ist und den König-reichen und Städten das Mittel, sich innerlich zu festigen, hat andeutenwollen, welches die Natur in der Familie geschaffen hat. Es ist alsonaturgemäß, daß, wenn die Familien sich zu einem Staatswesen zusammen-schließen, sie sich von selbst der ihnen angemessenen Regierungsform