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Nachdem sie sich so durch ihre Großherzigkeit bei den FeindenAchtung erworben hatten, zwangen sie ebenso durch den Euf ihrer Müdejedermann, sie zu lieben und zu verehren.
XXXVI. Es ist die Pflicht eines großen Menschen, sich der mensch-lichen Schwache zu erinnern, wenn er den Gipfel seines Glückes erreichthat, und die behutsam zu stützen, die gänzlich niedergeschlagen sind.
XXXVIII. Zu Unternehmungen, deren Erfolg nicht sofort greifbarist, braucht es gewöhnlich Leute von großer Geisteskraft, großem Mutund großem Ansehen: von großer Geisteskraft, damit sie ebensoguteinen nicht von vorneherein sichtbaren Nutzen erkennen, wie die ge-wöhnlichen Geister den greifbaren; vom großem Mut, damit die Schwierig-keiten sie in keiner Weise hindern; von großem Ansehen, damit vieleihrem Vorbild folgen.
LV. Eines der Übel Frankreichs besteht darin, daß nie jemandbei seinen Obliegenheiten bleibt. Der Soldat spricht von dem, was seinHauptmann tun sollte, der Hauptmann von den Fehlern, die, wie erglaubt, sein Oberst begeht, und weder die einen noch die andern sindfür die Erfüllung ihrer Pflicht zu haben.
LXI. In Frankreich werden bei keiner Gelegenheit Vorsichtsmaß-regeln getroffen, und selbst wenn das Unheil da ist, bessert man es nichtgründlich, sondern man lindert es nur. Dies geschieht nie ohne großenNachteil für den Staat; denn es ist gewiß, daß man mehr die Einzel-interessen berücksichtigt als die allgemeinen, die allein gewahrt werdensollten.
LXIX. Nicht ohne Grund sagen die, die die Eegierung in monar-chischen Staaten innehaben, daß die Untertanen in gewissen Fällen ihremFürsten blinden Gehorsam schulden. Denn diese müssen notwendigerweise oftEntschlüsse fassen, die durch gar keinen Grund gestützt werden können,sondern nur durch den Erfolg gerechtfertigt Werden, einen schlechtenBürgen für-Beschlüsse und Ratschläge, die man in gewöhnlichen Fällenfaßt.
LXXX. In Staatssachen verhält es sich nicht gleich wie in andern:bei diesen muß man mit der Recbtsbelehrung anfangen, bei jenen mitder durchgreifenden Handlung und der vollendeten Tatsache.
XCV1. Es ist von größter Bedeutung, daß der Fürst, der geliebtsein will, die wichtigsten Ämter in seinem Staate Männern überträgt,die beliebt sind und in deren Verdienst man die Ursache ihres Aufstiegeserblicken kann.
CV. Man muß viel hören und wenig sprechen, um in einem Staategut zu regieren.
CXVII. An Fürstenhöfen steht sehr oft der Thron der Gerechtig-keit eine Stufe tiefer als der der Gunst.
CXXIX. Nur große Seelen können den Königen treu dienen undohne Überdruß die Verleumdung ertragen, mit welcher die Bösen undUnwissenden rechtschaffene Leute bewerfen, ohne deswegen in den Dienstennachlässig zu werden, die man ihnen zu leisten verpflichtet ist,
CXXXV. Eine der Ursachen, die dem Wohlergehen Frankreichshinderlich sind, besteht darin, daß es niemand gibt, der irgend ein Amt,