Band 
Dritter Teil.
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zu sein. Der Fürst muß seine Gewalt dazu an'wenden, die falschenReligionen in seinem Staate zu vernichten. Man kann Strenge gegendie Anhänger falscher Religionen anwenden, aber Milde ist vorzuziehen.

Der F j: vst ist der Diener 1 Gottes. «Er trägt das Schwert nichtumsonst; wer Unrecht tut, muß ihn fürchten als den Rächer seiner Misse-tat.» Er ist der Beschützer der öffentlichen Ruhe, die auf die Religiongegründet ist, und die Religion ist die Stütze seines Thrones. Diejenigen,die nicht leiden wollen, daß der Fürst in Sachen der Religion Strengeanwendet, weil die Religion frei sein müsse, sind in einem gottlosenIrrtum befangen.

Die Güte ist den Königen angeboren, und sie haben nichts so sehrzu fürchten als schlechte Ratgeber.

86. Zur Charakteristik des französischen Absolutismus, 1721.

Montesquieu, Lettres persanes, Amsterdam 1721. Brief 24, 37, 93,108. Übersetzt von Eduard ßertz.

Die Lettres persanes waren Montesquieus erste literarische Tat underregten ungeheures Aufsehen durch die satirische Art, in der sie Scbwächenund Mängel von Staat und Gesellschaft in Frankreich beleuchteten. Zwei Frank-reich bereisende Perser unterrichten ihre Freunde im Orient brieflich von allem,was sie sehen und beobachten. «Indem sie die orientalischen Einrichtungen mitden französischen vergleichen, versetzen sie den letzteren manchen scharfenHieb. Alle brennenden Fragen auf religiösem, politischem und sozialem Gebietwerden berührt.» Als objektiver Beobachter greift der Verfasser unter anderemdas Regierungssystem Ludwigs XIV. an.

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Brief 24: Der König von Frankreich 2 ist der mächtigsteFürst in Europa. Er hat keine Goldminen, wie sein Nachbar, derKönig von Spanien; aber er besitzt größere Reichtümer als dieser, weiler sie von der Eitelkeit seiner Untertanen empfängt, welche unerschöpf-licher ist als die Bergwerke. Man hat erlebt, wie er große Kriege ohneandere Mittel als käufliche Ehrentitel unternahm und fortführte; durchdas Wunder menschlichen Stolzes sahen sich seine Truppen besoldet,seine Festungen ausgerüstet und seine Flotten bemannt. Übrigens istdieser König ein großer Zauberer; seine Herrschaft erstreckt sich selbstauf den Geist seiner Untertanen; er macht sie denken, wie er will. Hater nur eine Million Taler in seinem Schatz und bedarf ihrer zwei, sobraucht er ihnen nur einzureden, daß ein Taler zwei gilt, und sie glaubenes. Hat er einen kostspieligen Krieg zu führen, und es fehlt ihm anGeld, so braucht er ihnen nur in den Kopf zu setzen, ein Stück Papiersei Geld, und augenblicklich sind sie davon überzeugt. Ja er geht soweit, sie glauben zu machen, er könne sie durch seine Berührung von

Minister. — 2 Ludwig XIV.