Band 
Dritter Teil.
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88. Über die Dragonaden, 1681.

Jean Migault, Tagebuch. Übersetzt von F. und P. SanderS. 19—27.

Jean Migault, ein frommer Protestant, Vater einer zahlreichen Familie,war Lehrer und gab in seinem Hause zu Moulle im Poitou einer Eeihe vonPensionären und auswärtigen Schülern Unterricht. Als angesehenes Mitgliedder evangelischen Gemeinde amtete er als deren Lektor und Sekretär; aucherhielt er vom Herrn von Mougon die einträgliche Stelle eines Notars. Als derKönig 1681 eine Verordnung erließ, die die Protestanten von allen bürgerlichenÄmtern ausschloß, war Migaults Lebensunterhalt gefährdet. Um seine Schulezu erhalten, siedelte er mit seiner Familie und zwölf Pensionären nach Mougonüber, wo er bald schlimmen Verfolgungen ausgesetzt sein sollte. Nach demTode seiner Frau floh er mit einem Teil seiner Kinder nach Amsterdam, woer das für die Seinen 16S3 begonnene in frommem, schlichtem Ton gehalteneTagebuch 1689 vollendete.

*

Wir lebten [in Mougon] vier oder fünf Monate ziemlich ruhig biszu der Ankunft eines Regimentes Kavallerie, jenes Regimentes, das denUntergang so vieler achtbarer Familien des Poitou verursacht hat. Manverteilte es auf verschiedene Städte und Dörfer, und überall wurden dieSoldaten bei den Protestanten einquartiert, welche sie nicht früher ver-ließen, als bis sie diese von allem und jedem entblößt hatten, währendman niemals sah, daß sie bei den Papisten Quartier nahmen. Man ver-langte fünfzehn Franken für den höheren Offiztier, neun Franken füreinep Leutnant, drei Franken für einen Soldaten und dreißig Sousfür das geringste dem Regiment angehörige Wesen; wurde diese unge-heure Auflage nicht mehr pünktlich bezahlt, so war es stehender Brauch,das Mobiliar und das Vieh zu verkaufen; und war über diese Gegen-stände verfügt, so nahm man selbst die Lumpen, die den unglücklichenWirten noch geblieben waren. Daß viele Papisten eine so gute Gelegen-heit benutzt haben, um ihre Ställe mit Pferden, ihre Höfe mit Rindviehund ihre Häuser mit Möbeln zu füllen, kann nicht in Erstaunen setzen;denn der befehlhabende Offizier achtete selten auf den wirklichen Wertdessen, was er zum Verkauf stellte, und. verschleuderte es zu dem Preise,der ihm zuerst geboten wurde. Nachdem die treuen Diener Christi ihreBedrücker genährt hatten, einige zehn, andere zwanzig Tage und manch-mal länger, und nachdem sie entblößt waren von allem, was irgendWert hatte, faßten sie, um sich der Wut ihrer Feinde zu entziehen,den Entschluß, bei Nacht mit ihren Frauen und Kindern zu entweichenund in den Wäldern ohne Nahrung, oft selbst ohne Kleidung umher-zuirren.

Schon lange grollte das Wetter ringsum; aber erst am 22. August1681 waren wir seinem Wüten preisgegeben. Im Laufe des Morgens,als wir aus der Kirche kamen, in der wir unsere gewöhnlichen Gebeteverrichtet hatten, sahen wir eine Abteilung Kavallerie unter dem Befehledes Herrn de la Brique im Galopp auf uns zu kommen, rund um denKirchhof sich aufstellen und durch ihre drohende Haltung auch den

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Flach u. Guggenbühl, Quellenbucb IIT