mutigsten Seelen Schrecken einjagen. Kaum war ich in mein Haus zurück-gekehrt, als der Quartiermeister sich zeigte, in der Hand ein Quartier-billet haltend, und, ohne abzusteigen, uns in barschestem Tone fragte,ob es unsere Absicht sei, katholisch zu werden. Das war die Weise,wie diese Bekehrer zu verfahren pflegten. Auf die feierliche Ver-sicherung, welche ihm Eure vortreffliche Mutter und ich gaben, daßwir unsere Religion nicht wechseln wollten, machte er kurz kehrt undritt fort.
Wir waren allein im Hause; wenige Tage vor diesem Ereignishatten wir die Vorsicht geübt, Euch zu entfernen [das heißt guten Leutenin der Umgegend in Obhut zu geben]. Das einzige unserer Kinder [da-mals zwölf an der Zahl], welches wir nicht fortgegeben hatten, war Rene,der, erst siebzehn Tage alt, der Obhut eines Katholiken in unserer Nachbar-schaft anvertraut war, dessen Frau ihn bis zu seinem zweiten Jahrverpflegen sollte.
Kaum hatte der Quartiermeister unsere Türe eine Minute verlassen,als wir den Besuch des Herrn de la Brique selber erhielten. Er fragtemich, wieviel ich ihm täglich geben wolle, indem er mich merken ließ,daß, je nach meiner Freigebigkeit, man die Zahl der Soldaten, welchebei mir einquartiert werden würden, vermehren oder vermindern werde.Als ich ihm beteuerte, daß ich wirklich kein Geld zu meiner Verfügunghabe, besichtigte er ohne Aufregung und mit der ruhigsten Miene alleZimmer meiner Wohnung, untersuchte die Ställe, die Ecken und Winkelund entfernte sich. Einige Augenblicke später sahen wir zwei Soldatenherankommen, die ihre Quartierbillets vorzeigten und, nachdem sie ihrePferde in meinen Stall gebracht hatten, ein Mittagessen anzurichtenbefahlen, das, ohne irgend welche Übertreibung, mehr als ausreichendfür zwanzig Personen gewesen wäre. Während wir damit be-schäftigt waren, dieses «kärgliche» Mahl zu bereiten, ritten, ihre Billetsin der Hand, zwei ihrer Kameraden in den Hof und führten ebenfallsihre Tiere in den Stall; sie hatten diesen kaum verlassen, als sichnoch ein anderer Soldat zeigte und sich, nachdem er seinem Pferde allesgegeben, was nötig war, ohne weiteres in mein Zimmer setzte.
Die Gegenwart und die Verhöhnungen von fünf Soldaten, den un-verschämtesten Menschen, ebenso unersättlich in ihren Forderungen alswild in ihren Sitten, wurde aber noch nicht als eine ausreichende Be-drückung für ein armes und harmloses Menschenkind angesehen. Demfünften folgten alsbald andere vier, welche unter dem Vorwand, daßdas Heu nicht von bester Beschaffenheit wäre, ihre Kameraden in fürch-terlichen Flüchen und gottlosen Lästerungen noch Überboten. Der ganzeTrupp setzte es sich in den Kopf, nicht ohne die lautesten Drohungen,verschiedene Eßwaren zu verlangen, die in unserem kleinen Flecken garnicht zu haben waren. Auf meine Bemerkung, daß ich sie mirnur beschaffen könnte, wenn ich nach Niort, von dem wir zwei Meilenentfernt waren, schickte, erlaubten sie mir, das Haus zu verlassen, umeinen Boten zu holen. Meine erste Sorge war, mich zu einigen katholi-schen Damen, meinen Nachbarinnen, zu begeben, deren Haus an dasmeinige grenzte und mit ihm sogar durch eine kleine geheime Tür