Band 
Dritter Teil.
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von dem Hanse entfernt war. Hier ließ sie mich zurück, indem sie dieTüre sorgfältig verschloß. Es war jetzt zwischen drei und vier Uhr, und ichblieb bis acht Uhr abends in diesem Garten, indem sich meine Einbildungs-kraft fortwährend mit der Vorstellung Eurer armen Mutter quälte; ichglaubte, ihre Stimme zu vernehmen; es schien mir, als hörte ich siemich vergeblich um Beistand anrufen und mir in ihrer milden Weisevorwerfen, daß ich sie in einem Augenblick verlassen hätte, wo sie ammeisten der Stütze bedurfte. Ach! ach! meine lieben Kinder, meineEinbildungskraft war weit davon entfernt, die Qualen dieser unver-gleichlichen Frau zu überschätzen; alles, was ich mir Schreckliches vor-gestellt hatte, blieb noch weit hinter der Behandlung zurück, welchesie während der fünf oder sechs Stunden erdulden mußte, die ich indiesem Gefängnis zubrachte. Wenn sie nicht unter der Hand ihrer Henkerihr Leben ausgehaucht hat, so kann ich das nur dem Schutze einergnadenreichen Vorsehung zuschreiben.

Sobald die Soldaten erkannten, daß ich nicht mehr in ihrer Gewaltwar, folgte einer von ihnen Eurer Mutter in ein Zimmer, in das sie sichtrotz schrecklicher Schmerzen begeben hatte, um den verlangten Weinzu holen, und führte sie in das Eßzimmer zurück, wobei er sie heftigschlug. Dieser Mensch, den grausamsten Hohn mit empörendster Roheitvereinigend, erklärte, daß sie in ihrem Zustand größtmöglicher Wärmebedürfe. Man stieß sie daher in eine Ecke des Kamins, während mandarin ein starkes Feuer anzündete. Die Soldaten machten sich einenZeitvertreib daraus, diese Art von Scheiterhaufen mit einigen von unsernMöbeln anzuschüren. In der vergeblichen Hoffnung, die Standhaftigkeitihres Opfers zu besiegen, fingen sie an, den heiligen Namen Gottes mitAusdrücken zu lästern, die ich nicht zu wiederholen wage, und drohtenihr, sie zu verbrennen, wenn sie nicht augenblicklich den Protestantismusabschwören würde. Die Hitze des Feuers war so unerträglich, daß dieUnmenschen selbst nicht imstande waren, länger in der Nähe des Kaminszu bleiben, und daß man alle zwei oder drei Minuten denjenigen ablösenmußte, der neben Eure Mutter gestellt war. Diese bewundernswerte Frau,welche «den kannte, an den sie glaubte», 2 Timoth. 1, 12, verlor nichteinen Augenblick ihre Seelenruhe. Sie «warf alles, was sie beunruhigenoder quälen konnte, anf ihren Heiland», 1 Petr. 5, 7, und wies mitebensoviel Milde als Festigkeit die wiederholten Roheiten zurück, durchwelche man sich in den Kopf gesetzt hatte, sie zum Glaubens-wechsel zu zwingen, bis, da ihr zuletzt ganz das Bewußtsein schwand,sie die Beleidigungen und Mißhandlungen der Elenden nicht mehrfühlte.

Nicht vergessen darf ich, daß unsere Nachbarinnen bei dieserSchreckensszene gegenwärtig waren. Sie warfen sich dem Offizier zuFüßen, indem sie ihn anflehten, meiner Frau Gnade angedeihen zu lassen.Aber was half da Bitten und Flehen? Es war wie der Hauch aus demMunde eines Kindes gegen das ungestüme Brausen des Nordwindes.Eure Mutter würde unzweifelhaft ihr Leben eingebüßt haben, wenn nichtGott in seiner Gnade ihr einen ebenso aufopfernden als unerwartetenBeschützer gesandt hätte.