Band 
Dritter Teil.
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es hier nicht; es seye niemahlen so büß als man es hier mache. Aberich kan es leider sagen: ich bin 14 Jahr lang leider in dem betrübtenstand gewesen an Isen und banden, Leider Gott erbarms. Aber ichsage nur von dem raukh: wan man in unßerm Land eine große brunstsicht, Gott behüte uns davor, wann es fünf oder 6 stund weit ist, soerschrickt man graußam, aber wan man by dem großen feüwer ist, dakan man die große noth sehen; also ist es auch auff den Galleen. AberGott tröste sie alle; ihre nahrung ist hert brott, und manches mahlenstinckends waßer, und das nit gnug. Wan ich müßte erzeilen, wie manso graußammen Hunger und Durst muß leiden, und tag und nacht mußrudern und weder Sabbath noch ruhtag ist, ist dan solches nit eine großeplag? Aber ich bitten den großen Gott, daß er unßers liebe Vatterlandnach wyters welle behüeten vor solchem Eilend, und daß er uns gebeden frieden zu jeder Zeit und entlieh die ewige Freüd und Selligkeitdurch Jesum Christum, Amen.

91. Die Verwüstung der Pfalz durch die Franzosen, 1688/89.

Briefe der Herzogin Elisabeth Charlotte von Orleans. In neuerOrthographie herausgegebon von C. Kttnzel, S. 120 ff. — „Theatrum Euro-paeum“, Bd. XIII, S. 675 f. — Überarbeitet. — Altes geschriebenes Lieder-buch. Nach Ditfurth, Die Historischen Volkslieder von 1648—1756, S. 184 f.

Im Mai 1685 starb Earl, Kurfürst von der Pfalz, der Bruder der ElisabethCharlotte von Orleans, die bei ihrer Heirat mit dem Bruder Ludwigs XIV.ausdrücklich auf ihr Erbrecht verzichtet hatte. Als nun die Linie Pfalz-Neu-burg in Heidelberg zur Regierung gelangte, erhob Ludwig XIV. ohne Zustim-mung seiner Schwägerin, aber doch in deren Namen Erbansprüche, worauf eszum Orleans’schen oder Pfälzischen Erbfolgekrieg kam, 1688—1697, in demdie Pfalz greulich verwüstet wurde. Vgl. die Einleitung zu Nr. 93.

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A. Briefe der Herzogin von Orleans 1 2 .

St. Cloud, 26. September 1688. Unterdessen ist unser Dauphinnun ein Kriegsmann worden und gestern nach der Armee verreist, umPhilippsburg zu belagern und einzunehmen. Er sagte zu mir, nachPhilippsburg wolle er Mannheim und Frankental einnehmen und fürmein Interesse den Krieg führen. Ich antwortete aber: «Wenn Siemeinen Rat hören wollen, so gehen Sie nicht hin; denn ich gestehe Ihnen,daß ich nur Schmerz davon haben kann zu sehen, daß man sich meinesNamens bedient, um mein armes Heimatland zu grund zu richten.» Undso haben wir einander Adieu gesagt.

Fontainebleau, 10. November 1688. Was noch meine Unlust ver-mehrt, ist, daß ich alle Tage hören muß, wie man sich präpariert, dasgute Mannheim zu brennen und bombardieren, das der Kurfürst 5 , meinHerr Vater selig, mit solchem Fleiß hat bauen lassen; das macht mir

1 Sie sind an ihre Tante, die Herzogin Sophie von Hannover, gerichtet.

2 Karl Ludwig, 1617—1680.