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Versailles , 21. Juli 1682. — Trost habe ich hoch vonnöten, dennich bin wieder so launisch wie ein alter Hund, und ich glaube, daßseit einem Jahr hier der Teufel sich in menschliche Gestalt verwandelthat, um mich aus der Haut fahren zu machen und zu erlernen alles,was die teuflische und menschliche Falschheit vermag. Und hierin binich nun so perfekt gelehrt, daß meine Lehrmeisters mich nun einmal inRuhe sollten lassen; denn ich weiß nun nur gar zu wohl und experi-mentiere solches nur täglich gar zu viel, was Lügen sein, woran nichtein einziges Wort wahr an ist, was viel versprechen und nichts haltenist, was gute Mienen sein, wenn man einem die größte Beleidigung vonder Welt präpariert und einem heimlich die Ehre abschneidet, ja wases ist, sich anzustellen, als wenn man was Böses von einem glaube, daman doch alles im Grund viel besser weiß, sich verwundern, warumman traurig ist, solches alle Menschen fragen, da man doch in seinemGewissen weiß, daß man täglich und stündlich Ursach dazu gibt. . . .Mein böser Humor würde mir wohl bald vergehen, wenn man mir er-lauben wollte, Euer Liebden ein Zeitlang aufzuwarten, aber diese Freudedarf ich mir nicht machen, muß also diesen Text auch verlassen, sonstenwerden mir die Grillen noch ärger im Kopf steigen als sie schon sein.Wovon soll ich Euer Liebden denn ferner unterhalten? In einer Stundwerden wir in ein Opera gehen, so man in der Reitschule spielen soll. . . .
Versailles, 6. Dezember 1682. — Als ich gestern anfangen wollte,Euer Liebden zu schreiben, kamen meine Kammerweiber, um mich zuputzen; denn um sieben war ein verfluchter Ball, bei welchem ich widermeinen Willen und Dank sein mußte; denn ich hasse jetzt von allenDivertissementen nichts mehrers als das Tanzen. Heute habe ich eineAudienz gehabt von einem Gesandten von Parma, darnach habe icheinen großen Brief müssen an die Königin von Spanien schreiben, undum acht muß ich mit Madame la Dauphine in eine neue Komödie. Bleibtmir also nichts als diese Stunde übrig; denn morgen gleich nach desKönigs Meß muß ich mit Ihro Majestät auf die Jagd, und nach der Jagdwird es etwas spät sein zu schreiben; denn es ist wieder Jour d’Apar-tement. Damit Euer Liebden aber begreifen mögen, was dieses ist, somüssen Euer Liebden wissen, daß der König hier eine große Gallerieläßt bauen, so von seinem Apartement bis in der Königin ihres geht.Weillen aber solche Gallerie noch nicht ganz fertig ist, hat der Königdas Teil, so ausgemaekt und gemalet ist, unterschlagen lassen undeinen Salon davon gemacht. Alle Montag, Mittwoch und Freitags seindJour d'Apartement. Da versammeln sich alle Mannsleute von Hof inKönigs Antichambre und alle Weiber um sechs in der Königin Kammer.Hernach geht man alle miteinander in den Salon, wovon ich alleweilgesprochen; von dar iD ein groß Kabinett, allwo die Yiolons sein vordie, so tanzen wollen. Von dar geht man in eine Kammer, wo desKönigs Thron ist. Da findt man allerhand Musik, Konzerten und Stimmen.Von dar geht man in die Schlafkammer, allwo drei Tafeln stehen, umKarten zu spielen, vor den König, die Königin und Monsieur. Von dargeht man in eine Kammer, so man wohl einen Saal nennen kann, wo-rinnen mehr als zwanzig Tisch stehen mit grünen sammeten Teppichen