213
teilung des Landes nach Departementen zu Gunsten einer gerechteren Besteuerung,freie Selbstverwaltung der Gemeinden und größere Freiheit, des Individuums.Es wurde ihm in Frankreich zu viel regiert! «Pour gouverner mieux, il fautgouverner moins». In den fünfziger Jahren schrieb er folgende Prophezeiungnieder. Spamer, Weltgeschichte, Bd. VIII, S. 27.
*
Die Anarchie kommt mit großen Schritten; bald wird der Könignichts mehr sein als der Balken in der Fabel'. Wenn das so weitergeht, so wird man auf ihn springen und nach Befehlen nicht mehr fragen,da sie .doch nicht dem eigenen Willen entlehnt sind. Dabei weht vonEngland her ein philosophischer Wind; man hört Worte murmeln, wieFreiheit, Republik; schon sind die Geister davon durchdrungen, und manweiß, wie sehr die Meinung die Welt regiert. Die Zeit der Anbetung istvorbei; der Name Herr war unsern Vätern teuer, in unsern Ohren hater üblen Klang. Es könnte sein, daß eine neue Regierungsweise ineinzelnen Köpfen schon gereift wäre, um bei erster Gelegenheit heraus-zutreten in Stähl und Harnisch. Vielleicht wird sich die Umwälzung voll-ziehen mit viel weniger Gegenwehr, als man glaubt; es wird kein Prinzvon Geblüt, kein Seigneur, kein religiöser Fanatismus dazu nötig sein;alles wird unter Beifallsklatschen vor sich gehen, wie manchmal bei derWahl der Päpste. Heute sind alle Stände unzufrieden; das Militär seitdgm Frieden verabschiedet, der Klerus in seinen Vorrechten gekränkt,;die Parlamente, die Körperschaften, die Stände erniedrigt; das gemeineVolk von Abgaben belaste);, vom Elend verzehrt; nnr die Finanzleutetriumphieren und richten das Regiment der Juden wieder auf. Überallbrennbare Stoffe. Von einem Volksauflauf kann man übergehen zu einemAufruhr, von einem Aufruhr zu einer allgemeinen Revolution; man kannVolkstribunen, Konsuln wählen, Komitien abhalten, den König und seineMinister der maßlosen Macht, zu schaden, berauben. Und hat man nichtin der Tat ein Recht, zu sagen, daß, wenn auch die unumschränktemonarchische Macht gut ist unter einem guten König, doch gar nichtsdafür bürgt, daß wir immer Monarchen wie Heinrich IV. haben werden?Kommen nicht erfahrungs- und naturgemäß zehn schlechte Könige aufeinen guten?
1 Anspielung auf eine Fabel Lafontaines (III, 4): „Les grenouilles quidemandent un roi“. Ihre Quelle ist Aesop oder Phaedrus. Jupiter gibt den Fröscheneinen Balken zum König. Als er ihnen ins Wasser geworfen wird, verkriechensie sich ängstlich; dann aber verlieren sie die Furcht und gar den Respekt,besteigen ihn und treiben mit ihm ihr Spiel. Seiner überdrüssig, verlangen sieeinen neuen Herrn und bekommen zum König den Kranich, der sie tötet undverschlingt. — Mit dem König Balken (roi soliveau) meint man gewöhnlicheinen schwachen, gutmütigen Gebieter, einen Schattenkönig.