Band 
Dritter Teil.
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so viel Verstand und Eifer für das öffentliche Wohl, als sie Geschmeidig-keit und Geschicklichkeit besitzen, ihre eigenen Zwecke zu erreichen, dasheißt nichts zu tun, so wäre alles in besserem Stande. — Glauben Sienicht, daß das Feuer der Jugend oder Voreingenommenheit aus mir spricht;was ich sage, ist die reine Wahrheit, die das ganze Land Und die ganzeArmee ebensogut kennt wie ich selbst. Ich habe so lange geschwiegen,als ich glaubte, es würde sich doch ein Mittel finden lassen; da ich abersehe, daß es keine Hilfe mehr gibt, so ist es meine Pflicht, den Kaiseraufmerksam ?u machen, was hier vorgeht. —

An den Kaiser Leopold, aus Preßburg, 1704. — Eure Majestätwollen es nicht ungnädig aufnehmen, daß ich meiner Feder freien Lauflasse. Allein ich könnte es bei Gott nicht verantworten, wepn ich esnicht täte. Ich sehe die Dinge in einem so verzweifelten Zustand, wiesie vielleicht noch nie gewesen, solange, das Erzhau3 regiert. — Inder äußersten Gefahr werden aber die äußersten Mittel erfordert. EurerMajestät Länder, Fürsten und vornehme Herren, auch viele andere ver-mögende Familien sind noch nicht so angegriffen und erschöpft, daß manvon ihnen keine Hilfe mehr beanspruchen könnte, wie ich es denn mitmeinem Gewissen durchaus vereinen kann, daß sich der Klerus dieserBjirde nicht entziehen dürfe. — Unser Krieg ist weltkundig eine gerechteSache! Er wird geführt, um das Hecht zu verteidigen, das Gott selbst indie Welt gebracht hat.' — Das Sprichwort sagt: Wenn der Menschhilft, so wird auch Gott "helfen. Aber wenn man nichts tut, als den Kriegmit Papier und Wortgefechten führen, da sieht man nun, was darauswerden muß.

An den K a is er L e op o 1 d, aus Italien, 1705. — Ich sollteeigentlich Hals über Kopf zum Sukkurs der bedrohten Städte eilen; wieich das aber mit völlig entblößten und ausgehungerten Leuten, ohneKreuzer Geld, ohne Brot, Fuhrwesen, Zelte und Artillerie durchführensoll, erscheint mir als ein Ding der Unmöglichkeit. Denn wohin ich michwende, nichts als Klagen, Not und Elend; alles versinkt in Kleinmutund niemand weiß zu raten und zu helfen. Manche Regimenter sind somiserabel ausgestattet, daß sie zerissener und elender aussehen alsBettelvolk; die Offiziere schämen sich geradezu, sie zu kommandieren.Wenn man einen Trupp von hundert Mann ausschickt, der nicht längerals eine Stunde zu marschieren hat, so bleibt gewiß die Hälfte vor Mattig-keit auf der Straße liegen; denn die Leute sind derart ausgehungert,daß sie mehr Schatten als lebendigen Wesen gleichen. — Das ist auchgar nicht zu verwundern; denn sie haben seit mehr als sechs Wochenkeine Löhnung bekommen und müssen sich mit Wasser und Brot zu-frieden geben, das auch nicht einmal genügend vorhanden ist. — Manmuß die Rekrutierungen beschleunigen und den Soldaten ihren Lohn be-zahlen; denn nur wenn sie Geld bekommen, leisten sie etwas. Auch Geld-kassen soll man mitführen, denn der «nervus belli» darf nicht ausgehen.

Leib und Leben, Gut und Blut, bin ich zwar schuldig, Eurer Majestätzu opfern, was ich auch mit Freuden täte, wenn dadurch der Not ge-steuert würde; aber Ehre und Ruhm vor aller Welt verlieren, das wer-den Eure Majestät einsehen, muß mir sehr schwer fallen, ja ärger als der Tod.