Band 
Dritter Teil.
Seite
258
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« Sie haben regieret, und nicht durch mich; sie sind Fürsten worden,und ich habe sie nicht erkannt».

Gegeben zu Rom bei dem heiligen Petro- unter Unserm Fischerringden 16. April 1701.

120. Ein Kulturbild aus der Zeit König Friedrichs I. vonPreußen, 1688-1713 L

Friedrich II., Memoires pour seryir & l’Histoire de Brandebourg, ver-öffentlicht in den «(Euvres de Fredöric le Grand», Bd. I, S. 229 ff. — Derteutsch-französische Modengeist, mit Kürzungen abgedruckt bei Fr.Förster, Friedrich Wilhelm I., Bd. I, S. 41 ff. — Ursprüngliche Schreibweise.

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A. Friedrich II., Mdmoires:

Der Hof [von Preußen] war zahlreich und glänzend; der Luxuszeigte sich in den Livreen, der Kleidung, der Tafel, den Equipagen undden Bauten. Der König hatte zwei dei‘ geschicktesten Architekten Euro-pas in seinen Diensten, sowie Schlüter*, dessen Skulptur die Architekturder ersteren noch mehr hervortreten ließ. Bodt 1 2 3 schuf das schöne Torvon Wesel, er lieferte die Pläne zu dem Schloß und dem Arsenal inBerlin, er baute das Postgebäude an der Ecke der langen Brücke unddie schöne Säulenhalle des Schlosses zu Potsdam, die den Liebhabern zuwenig bekannt ist. Eosander 4 errichtete den neuen Flügel des Schlossesvon Charlottenburg. Schlüter schmückte das Arsenal mit jenen Trophäenund den schönen Fratzen, die die Bewunderung der Kenner bilden, under ließ das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten gießen, das für einMeisterstück gilt. — Die schönen Künste, diese Kinder des Überflusses,fingen an zu blühen. Die Malerakademie wurde gegründet; aber es gingans dieser Schule kein Meister von Ruf hervor. Was am bemerkens-wertesten ist und die Fortschritte des menschlichen Geistes am meistenbekundet, war die Gründung der Königlichen Akademie der Wissen-schaften im Jahre 1700. Die Königin Sophie Charlotte trug am meistendazu bei. Diese Fürstin hatte den Geist eines großen Mannes und dieKenntnisse eines Gelehrten; sie hielt es nicht einer Königin für unwürdig,einen Philosophen hoch zu achten. Es ist bekannt, daß dieser Philosoph

1 Kurfürst Friedrich III., 1701 zum König von Preußen erhoben, nanntesich fortan Friedrich I.

2 Schlüter, 1662—1714, geboren in Hamburg, berühmter Bildhauer undArchitekt, wurde 1694 nach Berlin berufen; 1713 trat er in den Dienst Peters desGroßen.

3 Bodt, 1670—1745, geboren in Paris, seit 1700 in preußischen, seit 1728in kursächsischeu Diensten.

1 Eosander, ein Schwede, seit 1692 in brandenburgischen Diensten, bereisteFrankreich und Italien; er wurde Nachfolger Schlüters als Schloßbaudirektor;er starb 1729 in Dresden.