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lernt, namentlich in London und Versailles, deren Pracht und Üppigkeit ernachahmte und womöglich noch tiberbot. Dadurch und wegen unglücklicherKriege geriet sein Staatshaushalt in arge Zerrüttung; an Günstlinge, schöneFrauen und natürliche Kinder wurden ungeheure Summen verschwendet. DieKunst unterstützte der König, ähnlich wie Ludwig XIV., nur, wenn sie seinerPrachtliebe diente. Der Baron von Loen kannte den Dresdener Hof und schildertedessen Leben und Treiben.
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Ich beschieibe hier den prächtigsten und galantesten Hof von derWelt; man muß mir das Wort galant im Deutschen gelten lassen; dennes ist in Sachsen sehr üblich und ich finde auch sonst keines in allenmir bekannten Sprachen, welches dasjenige besser ausdrücken sollte, wasich hier sagen will: es bedeutet solches so viel, als ein lebhaftes, artigesWesen, das gefällt und rührt, das sich der Sinne bemächtigt und denWitz gebraucht, um desto empfindlicher wollüstig zu sein.
Das sächsische Blut ist feurig, zärtlich und überaus verbuhlt; esmacht die Leute sinnreich, angenehm, höflich und schmeichlerisch, aberzugleich auch wankelmütig, weichlich, planderhaft und schwelgerisch.Weil die Sachsen von Natur mit einer glücklichen Erfindungsgabe be-gabt sind, so findet man unter ihnen die meisten Poeten und Roman-schreiber; sie sind die ersten, die sich erkühnt haben, deutsche Schau-spiele nach dem Muster der Franzosen zu verfertigen. Putz, Üppigkeitund Schwelgerei führt die Sachsen dem Soldatenstande zu, im übrigensind sie zu diesem Handwerk wenig tauglich, weil sie zu gemächlichsind; aber bei Hof, bei den Damen und im Umgang überhaupt gibt eskeine artigeren Leute. Das Frauenzimmer, und darunter besonders dasMeißnische, hat etwas überaus Holdseliges und Liebreizendes. Hier findetman die besten Sprachmeisterinnen der Deutschen; der liebliche Klangihrer Stimme macht auch selbst unsere rauhen Töne zärtlich und ange-nehm. Das sächsische Frauenzimmer übertrifft noch die Engländerinnenan Wuchs und Schönheit. Es hat die Freiheit der Französinnen und dasFeuer der Italienerinnen. In dem schmeichelhaften und zärtlichen Wesenaber geht es allen vor. Es hat dem Anscheine nach etwas sehr Sitt-sames und Unschuldiges; es schlägt aber die Augen insgemein nur des-halb nieder, um mit einem geschärften Blick desto mehr Dnheil an-zurichten.
So sehen die Menschen aus, die zu unserer Zeit den Glanz desDresdener Hofes ausmachen. Nie hat man eine solche zusammen-hängende Pracht und eine stets fortschreitende Galanterie gesehen. DerKönig scheint recht dazu geboren zu sein, den Menschen Lust und Freudezu machen. Alle seine Lustbarkeiten sind auf eine Art angestellt, daßsein Volk darunter, nicht leidet nnd seine Schätze nicht erschöpft werden L
1 Die Tatsachen widersprechen dem. Im Nordischen Krieg erlitt AugustNiederlagen; er verlor gar seine Krone; seinen Sachsen preßte er die letztenKräfte aus, um den andringenden Schweden Widerstand zu leisten. Währender trotzalledem seinen höfischen Schmeichlern rauschende Feste gab, entschä-digte sich das Volk durch,bittern Spott; es erschien eine Medaille, auf der ein