Band 
Dritter Teil.
Seite
264
JPEG-Download
 

264

Er befördert dadurch die Künste, die Wissenschaften, den Handel undden Umlauf des Geldes.

Viele meinen, der König August besitze das Geheimnis, Gold znmachen. Es ist glaublich, daß, wenn diese Verwandlung der Metallemöglich wäre, der König solche besitzen müßte. Alle chymischen * 1 Philo-sophen haben ihre Künste hier probiert, und die Ausgaben des Königsbeziehen sich gleichsam auf unerschöpfliche Einkünfte. Ich bin aber derMeinung, daß diese Destillierer nichts dazu beitragen, wohl aber derstattliche Handel, die reichen Bergwerke, der gesegnete Ackerbau undeine Menge Volk, das sich durch Fleiß und Arbeit nährt, das sind Quellen,die nicht zu erschöpfen sind.

Die Stadt Dresden scheint gleichsam nur ein großes Lustgebäudezu sein, worin sich alle Erfindungen der Baukünste angenehm miteinandervermischen und doch besonders betrachten lassen. Ein Fremder hat fastein paar Monate zu tun, wenn er alles, was dieser Ort Schönes undPrächtiges hat, in Augenschein nehmen will. Es ist keine Kunst in derWelt zu finden, davon man hier nicht ausnehmende Meisterstücke sieht.Alles, was in dem Reiche der Natur sich Bewunderungswürdiges undSeltenes geäußert, verschließen hier die Raritäten- und Naturalienkammern.Alles, was man Prächtiges und Kostbares an Geschirren, Pferdedecken,Schlitten, Waffenzieraten und dergleichen Gerätschaften sehen kann, diebei Aufzügen, Ritterspielen und Lustfesten gebraucht werden, wird ineiner erstaunlichen Menge auf dem sogenannten großen Stalle in einerlangen Galerie verwahrt. Von dem in der ganzen Welt berühmtenZeughause nicht zn gedenken; es ist bekannt, daß die angesehensten inEuropa mit demselben pflegen verglichen zu werden.

Geht man weiter und betrachtet man, ehe man noch seinen Fußnach Hofe wendet, den in Alt-Dresden von dem Feldmarschall GrafenFlemming erbauten holländischen Palast, so findet man darin nebst tausendandern Seltenheiten einen so reichen Vorrat des schönsten und feinstenPorzellans 2 . Das sogenannte türkische Haus, das die Frau Gräfin vonDönhoff 3 bewohnt, zeigt neben vielen anderen Trefflichkeiten die Prachtdes ganzen türkischen Hofes; alles ist darin so schön und prächtig, daßman Bich in den Serail des Groß-Sultans versetzt wähnt.

Ich übergehe die Menge anderer Paläste und eile an den Hof. Hiersehe ich den herrlichen Aufputz der königlichen Zimmer, ich betrachtedie reizende Anordnung des Schönen und Prächtigen, welches darin allent-halben entzückend ins Auge spielt. Ich sehe hier die Künste, die sichgleichsam eine Ehre daraus machen, den König als ihren größten Schutz-

armer Bauer seine Frau auf der Schubkarre zu Markte fährt, mit der Umschrift:„Ich fahre Sachsen nach Polen“. Unmittelbarer noch aus dem Volke hervor-gegangen scheint der in Sachsen damals und heute noch gesungene Gassenhauerzu sein: „Ach! du lieber Augustin, Alles ist weg! Sachsen ist weg, Polen istweg, Augustin liegt ira Dreck. Ach! du lieber Augustin, Alles ist weg!“

1 Chemie oder Chymie, die Lehre von den Grundstoffen der Körper.

2 1710 wurde in Meißen die berühmte Porzellanfabrik gegründet.

3 Eine der Mätressen des Königs.