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Treffen setzte sich der König unter ein großes Gezelt mit den vornehm-sten Herren und Damen zur Tafel. Noch zwei große Tische waren inzwei andern Gezeiten für die Cavaliers und die Fremden aufgedeckt;während der Mahlzeit ließen sich Kanonen und Trompeten mit einer ab-wechselnden Musik beständig hören. Das lustigste Schauspiel begannnach geendigter Tafel. Die Tische wurden nicht abgenommen, sondernalles Eßwerk, was darauf stand, den hungrigen Soldaten preisgegeben.Weil es aber an Brot gebrach, so befahl der Feldmarschall, tausendharte Gulden, um diesen Mangel zu ersetzen, in ebenso viele kleine StückeBrod zu stecken. Es wurde darauf zum Sturm geblasen. Die in Schlacht-ordnung gestellten Soldaten rannten mutig auf die noch mit Speisenbesetzten Tische los, allein die Vordersten wurden von den Hinterstenzu Boden gedrückt, so daß das eine Tiscbblatt mitten entzwei brach undalso wohl hundert Mann auf einem Haufen untereinander wühlten. Hieraufwurde alles aufgeräumt, in dem königlichen Gezelt aber ein Teppichansgebreitet und bis Abends sieben Uhr getanzt und getrunken.
Am 14. August gab der König ein Fest auf dem JagdschlösseMoritzburg, vier Stunden von Dresden entfernt. Des Abends gegen fünfUhr verfügte sich der König auf eine bei dem großen Teiche aufgeworfeneLustschanze, auf der verschiedene Säle und Kabinette, die mit Galerienzusammenhingen, aufgeschlagen und mit Laubwerk umwunden waren.Hierauf kam ein Zug von ungefähr zweihundert verkleideten Männern,die in vier Haufen geteilt waren und die vier Völkerschaften der Weltvorstellten. Ein jeder Haufe, der mit einer besondern Musik aufgeführtwurde, war so gekleidet und ausgemustert, wie die Völker, welche ervorstellte; sie brachten ein jeder die Früchte und Gewächse aus den-selbigen Ländern und legten sie zu des Königs Füßen. Es -fanden sichdarunter die köstlichsten Erfrischungen von allerhand Obst, Früchtenund Getränken. Sie führten auch allerhand Seltenheiten von fremdenSchätzen und Erdgewächsen mit sich, wie »ach verschiedene ausländischeTiere, als Löwen, Tiger, Bären, Affen, Meerkatzen, Papageien und der-gleichen. Ein französischer Sänger, der len Zug anführte, bewillkomm-nete daraufhin die ganze königliche Gesellschaft, mit einem in seinerLandessprache verfertigten Liede and fügte zu des Königs Lobe hinzu,wie es kein Wunder sei, daß unter einem so gütigen Monarchen auchselbst die wildesten Tiere ihre Natur veränderten und sich als zahmeGeschöpfe ihm zu Füßen legten.
Nach dieser abgesungenen Anrede sah man unter Trompeten- undPaukenschall zwei leichte Kähne vom Ufer stoßen; auf dem einen be-fanden sich zwölf holländische Bootsleute unter Anführung des GrafenMoritz von Sachsen 1 , auf dem anderen italienische Gondoliers. BeideParteien hielten eine Wettfahrt, bei der die Italiener den Preis gewannen.Der König, die Herzogin von Weißenfels, die Fürstin von Teschen nebstden Gräfinnen von Königsmark, Dönhoff, Potzky und mehreren anderenPersonen ersten Ranges begaben sich darauf in eine mit hellblauem Atlas,,mit silbernen Gallonen und Quasten reich ansstaffierte Gondole; zwölf
1 Natürlicher Sohn des Königs von der Gräfin Aurora von Königsmark.