Band 
Dritter Teil.
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in Seide gekleidete Gondoliere saßen an den Rudern. Darauf folgte einevenetianische Prachtgondel, die die vier Völkerschaften mit ihren Trom-meln, Pfeifen, Trompeten und andern seltsamen Musiken ausfüllten. Hinterdiesem fuhren noch über dreißig andere, auf italienische Art verfertigteSchiffe, alle unter Trompeten- und Paukenschall. Man schoß dabei dieauf dem Wasser schwimmenden Enten, die alle mit roten, auf den Kopffestgepichten Federn gezeichnet waren. Nach dieser Entenjagd hegabenwir uns wieder in die Lustschanze zurück und setzten uns zur Tafel.In der Mitte befand sich ein achteckiger Salon, in welchem der Königspeiste, die übrigen Säle und Kabinette waren für die Kavaliere und dieFremden. Alles war mit bunten Laternen erleuchtet, mit Festons, ver-goldetem Schnitzwerk, Aufschriften und Sinnbildern glänzend ansgeziert.

Nach aufgehobener Tafel sah man den ganzen Teich ringsumher mitangezündeten Holzstößen erleuchtet, wobei zugleich eines der schönstenund prächtigsten Feuerwerke abgebrannt wurde, das sowohl auf demWasser als auf dem Lande die seltensten Feuerkünste und Brennwerkein allerhand bewunderungswürdigen Spielungen zeigte und dieuNacht mitunzählbaren Schwärmern, Raketen und Feuersternen erhellte. Daraufsuchte ein jeder sein Nachtlager auf. Die folgenden Tage aber warenzu großen Jagden bestimmt.

Dresden schien zu meiner Zeit ein recht bezaubertes Land zu sein,das sogar die Träume der alten Poeten noch übertraf. Man konnte hiernicht wohl ernsthaft sein; man wurde mit in die Lustbarkeit und Schau-spiele hineingezogen, nicht anders als ob man darin einige Rollen mitZuspielen hätte. Hier trifft also jener alte Vers ein: Da3 Leben ist einSchauspiel, die Welt eine Bühne und ein jeder der Menschen ein ge-wandter Schauspieler. Kein Ort der Welt sieht einer solchen Schaubühneähnlicher als Dresden. Hier gibt es immer Maskeraden, Heldengeschichten,Abenteuer, Wirtschaften, Jagden, Sehützenfeste, Schäferspiele, Kriegs-und Friedensaufzüge, Zeremonien, Grimassen, schöne Raritäten; kurz,alles spielt. Man sieht zu, man spielt mit, es wird uns selbst mitgespielt:ludendo ludimur.

123. Der Berliner Hof unter Friedrich Wilhelm I., 1718.

Von L oen, Kleine Schriften, Nach Fr. Förster, Höfe und Kabinette im18. Jahrhundert, BÜ. III, S. 464 ff.

Während Friedrich I. von Preußen in seiner Eitelkeit und Prachtliebe anseinem Hofe den Üblichen Glanz entfaltete, huldigte sein Sohn Friedrich Wil-helm I., 1713—1740, der größten Einfachheit und strenger Ehrbarkeit. Der viel-gereiste Herr von Loon entwirft vom Berliner Hof 1718 eine Schilderung, dieeinen interessanten Gegensatz bildet zu dem Hofleben in Dresden. — Vgl. Nr. 122.

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Ich sehe hier einen königlichen Hof, der nichts Glänzendes, nichtsPrächtiges, als seine Soldaten hat. Es ist also möglich, daß man eingroßer König sein kann, ohne die Majestät in dem äußerlichen Pomp undin einem langen Schweife buntfarbiger, mit Gold und Silber beschlagener