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lieber Gott», rief ich, außer mir über solche Gottlosigkeit, «haben Siedenn vergessen, daß Christus von Johannes getauft worden ist?» «Freund,nochmals: keine Flüche», sagte der freundliche Quäker, «Christus emp-fing allerdings die Taufe von Johannes, aber er selbst hat niemandgetauft; wir aber sind nicht Schüler von Johannes, sondern von Christus.»Der treuherzige Glaube meines Quäkers erregte mein Mitleid, und ichwollte ihn mit aller Gewalt dazu bringen, sich taufen zu lassen. «Wennes weiter nichts wäre, als mit deiner Schwachheit Nachsicht zu haben,würden wir das alle ganz gern tun», erwiderte er ganz ernst; « wirverdammen niemand, der sich der Tanfe unterziehen will. Aber wirglauben, daß die Bekenner einer durchaus heiligen und geistigen Reli-gion sich, soviel sie vermögen, von jüdischen Gebräuchen fernzuhaltenhaben.» Daran knüpfte sich nun eine Auseinandersetzung über jüdischeGebräuche; die Tanfe sei ein solcher und werde noch von gewissen jü-dischen Sekten bis auf den heutigen Tag befolgt, ebenso wie die Wall-fahrt nach Mekka auch vor Mohammed schon im Schwange gewesen sei.Christus habe eben dadurch, daß er sich der Taufe unterzogen, dieseein für allemal beseitigen wollen. St. Paulus habe nur zwei Personengetauft und den Korinthern erklärt, seine Sendung sei nicht, zu taufen,sondern das Evangelium zu predigen. — « Wie halten Sie es mit derKommunion?» fragte ich dann ferner. «Wir halten sie gar nioht», sagteer. «Wie! keine Kommunion?!» «Nein, lediglich die unserer Herzen!»Und darauf hielt er mir einen sehr schönen Sermon gegen das Abend-mahl unter dauernder Anziehung von Schriftstellern. Auch die Sakra-mente seien nur eine menschliche Erfindung; in der Bibel komme dasWort Sakrament überhaupt nicht vor.
Bei einem Besuche des Quäker-Gottesdienstes stellt der Besucher anseinen « Freund» die Frage:
«Sie haben wohl gar keine Priester?» «Nein, mein Freund», sagteder Quäker, «und wir befinden uns darum nicht schlechter . . . DemHimmel sei Dank, wir sind die einzigen Leute auf der Erde, die keinePriester haben.»
Brief V. — ... Das undefinierbare Wesen, das weder Priester nochLaie ist und das man einen Abbe nennt, ist eine in England unbekannte-Spezies: die Geistlichen hierzulande 1 leben durchaus zurückgezogen und"sind fast alle Pedanten. Wenn sie hören, daß es in Frankreich jungeLeute gibt, durch ihre Ausschweifungen wohlbekannte junge Leute, diezu ihrem geistlichen Amte durch Frauenzimmerränke gekommen sind, diestadtbekannte Liebeshändel haben, die sich mit der Abfassung von ver-liebten Gedichten die Zeit vertreiben, die jeden Tag lange und leckereSoupers geben und vom Tische weg um die Erleuchtung des heiligenGeistes bitten und sich kecklich Nachfolger der Apostel nennen: danndanken sie ihrem Herrgott, daß sie Protestanten sind.
Brief VI. — Im Vergleich zu einem jungen munteren Franzosen,der Theologie studiert, sich morgens in den theologischen Schulen herum-zankt, am Abend mit den Damen singt, ist ein anglikanischer Theologe
1 Gemeint sind die Priester der Anglikanischen Kirche.