315
B. Von der Vermehrung des Reichtums des Staates.
§ 131. Ein Staat kann seinen Reichtum nie vermehren, wenn ernicht zuvörderst den in dem Lande bereits befindlichen Reichtum zu er-halten suchet. Die erste Grundregel einer weisen Regierung muß demnachdarinnen bestehen, daß man auf alle mögliche Art zu verhüten beflissenist, unnötigerweise Geld außer Landes gehen zu lassen. Zu dem Endemuß nicht allein der Hof selbst, wenn in seinem Aufwand und MaßregelnGeld außerhalb Landes aufgewendet wird, sorgfältig untersuchen, obsich nicht dieser Aufwand ersparen und durch andere im Lande befindlicheoder zu gewinnende Dinge ersetzen lasse, und ob der Nutzen seinerMaßregeln in der Tat so wichtig ist, daß er den Verlust des aus demLande gehenden Geldes übertreffe; sondern er muß auch alle Arten,wodurch das Geld der Privatpersonen außerhalb des Landes geht, sorg-fältig zu verhindern und abzuschaffen suchen, so viel sich solches nachder heutigen Lebensart der Menschen und der den Untertanen zu lassendenvernünftigen Freiheit nur immer tun läßt.
C. Von den Kommerziell mit auswärtigen Völkern.
§ 183. Der erste Grundsatz vorteilliaftiger Kommerzien mit aus-wärtigen Nationen ist, daß dadurch mehr Gold und Silber in das Landeingeführt werden muß, als deshalb ausgeht, und auf diesen Grundsatzmüssen alle Maßregeln zur Gründung eines nützlichen Kaufhandels ge-baut werden. Gleichwie nun die auswärtigen Kommerzien entweder mitinländischen oder ausländischen Waren getrieben werden können, diebloße Einfuhr der ausländischen Waren aber unmöglich einen nützlichenKaufhandel darstellen kann, so folgt daraus natürlicherweise ein andererGrundsatz, nämlich: der Wert der Landesprodukte, so ausgeführt werden,muß den Wert der ausländischen Waren, so in das Land eingehen,übersteigen.
138. Ans dem „Gesellschaftsvertrag“ oder den „Grundsätzendes Staatsrechtes“, 1762.
Jean Jacques Rousseau, Du contrat social. Übersetzt von H. Den-hardt, S. 4 ff, 16 ff, 20—23, 27 f., 33 f, 40, 42 ff, 58 f., 64 f., 73-77, 9G f.,101 f.
Jean Jacques Rousseau, 1712—1778, der Sproß einer nach der Aufhebung desEdikts von Nantes nach Genf geflohenen französischen Familie, ist neben Voltaireder einflußreichste Schriftsteller seiner Zeit. Im Gegensatz zu der reinen Ver-standesbildung der Aufklärung und ihrer kühlen Besonnenheit zeigen seineWerke tiefe Empfindung des Herzens und warmes Naturgefühl. Die darin ent-haltenen Lehren erklären sich aus den steuerlos gewordenen staatlichen und
einer Republik auf keine andere Art zustehen, etwas anderes an die Stelle desGeldes zu setzen, als- insofern er willens ist, solches in besseren Zeitumständengegen wahre Gold und Silbermünzen wieder einzuwechseln, welches auch dieAbsicht gewesen ist, wenn europäische Regenten in äußersten Nöten des Staateszu dergleichen Mitteln ihre Zuflucht genommen haben.