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sozialen Zuständen Frankreichs als eine maßlose Reaktion gegen die Verdorben-heit einer sittenlosen Überkultur. Er schreibt als Demokrat für das Volk; dieFührer der spätem großen Revolution sind seine Schüler. Im Contrat socialpredigt er die ursprüngliche Gleichheit aller Menschen und redet der unver-lierbaren, immer wieder direkt auszuübenden Souveränität des Volkes das Wort.
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Der Mensch wird frei geboren, und überall ist er in Banden. Man-cher hält sich für den Herrn seiner Mitmenschen und ist trotzdem mehrSklave als sie. Solange ein Volk durch Übergewalt gezwungen wird zugehorchen, so tut es wohl, wenn es gehorcht; sobald es sein Joch ab-zuschütteln imstande ist, so tut es noch besser, wenn es dieses vonsich wirft; denn sobald es seine Freiheit durch das nämliche Rechtwieder erlangt, welches sie ihm geraubt hat, so ist es entweder befugt,sie wieder zurückzunehmen oder man hat sie ihm unbefugterweise ent-rissen. Allein die gesellschaftliche Ordnung ist ein geheiligtes Recht, dasdie Grundlage aller übrigen bildet. Dieses Recht entspringt jedoch keines-wegs aus der Natur; es beruht folglich auf Verträgen. Deshalb kommtes darauf an, die Beschaffenheit dieser Verträge kennen zu lernen.
Die älteste und die einzige natürliche unter allen gesellschaftlichenVereinigungen ist die Familie; sie ist das erste Muster der politischenGesellschaften. Der Herrscher ist das Abbild des' Vaters; das Volk istdas Abbild der Kinder, und da alle gleich und frei geboren sind, ver-zichten sib auf ihre Freiheit nur um ihres Nutzens willen. Der ganzeUnterschied besteht darin, daß in der Familie der Vater seine Liehe zuden Kindern für die Sorgen, die sie ihm bereiten, entschädigt, währendim Staate die Lust zu befehlen die Liebe ersetzt, welche der Herrscherfür sein Volk nicht empfindet.
Ich nehme an, daß sich die Menschen bis zu der Stufe emporge-schwungen haben, wo die Hindernisse, die ihrer Erhaltung in dem Natur-stande schädlich sind, durch ihren Widerstand die Oberhand über dieKräfte gewinnen, die jeder einzelne aufbieten muß, um sich in diesemStande zu behaupten. Dann kann dieser ursprüngliche Zustand nichtlänger fortbestehen, und das menschliche Geschlecht müßte zu Grundegehen, wenn es die Art seines Daseins nicht änderte.
Da nun die Menschen unfähig sind, neue Kräfte hervorzubringen,sondern lediglich die einmal vorhandenen zu vereinigen und zu lenkenvermögen, so haben sie zu ihrer Erhaltung kein anderes Mittel, als durchVereinigung eine Summe von Kräften zu bilden, die den Widerstandüberwinden kann, und alle diese Kräfte durch eine einzige Triebkraftin Bewegung zu setzen und sie gemeinsam wirken zu lassen.
Eine solche Summe von Kräften kann nur durch das Zusammen-wirken mehrerer entstehen. Da jedoch die Stärke und die Freiheit jedesMenschen die Hauptwerkzeuge seiner Erhaltung sind, wie kann er siehergeben, ohne sich Schaden zu tun und die Sorgfalt zu versäumen, dieer sicli schuldig ist? Diese Schwierigkeit läßt sich, wenn man sie aufden Gegenstand meiner Betrachtung anwendet, in die Worte zusammen-fassen: «Wie findet man eine Gesellschaftsform, die mit der ganzen ge-meinsamen Kraft die Person und das Vermögen jedes Gesellschaftsgliedes