Band 
Dritter Teil.
Seite
326
JPEG-Download
 

326

keiten, und es wurden zahlreiche Anklagen gegen sie gerichtet wegenmaßloser Gier hauptsächlich nach irdischen Gütern.

§ 23. Nachdem sich täglich das Geschrei und die Klagen gegenvorgenannte Gesellschaft gemehrt hatten, je nachdem stellenweise diegefährlichsten Aufstände, Tumulte, Streitigkeiten und Anstoße entstandensind, welche unter Erschütterung und völliger Zerreißung des christlichenLiebesbandes die Herzen der Gläubigen zu Parteiungen, Haß und Feind-seligkeiten heftig entzündet haben, schien die Lage sich zu einer der-artigen Krisis und Gefahr zuzuspitzen, daß selbst diejenigen, deren alt-herkömmliche Frömmigkeit und Freigebigkeit gegen die Gesellschaftgewissermaßen erblich von ihren Vorfahren überkommen ist und fastallgemein höchlich gelobt wird, daß nämlich unsere teuren Söhne inChristo, die Könige Frankreichs, Spaniens, Portugals und beider Siziliensich genötigt sahen, die Ordensglieder aus ihren Reichen, Herrschafts-gebieten und Provinzen gänzlich zu vertreiben und zu verjagen, indemsie das eine glaubten, für so viele Übel bleibe nur dies äußerste unddurchaus nötige Heilmittel übrig, um zu verhindern, daß die christlichenVölker sich im Schoß der heiligen Mutter Kirche selbst gegenseitig reiz-ten, herausforderten und zerfleischten.

§ 26. Daher nach Anwendung so vieler notwendiger Mittel, unter-stützt, wie Wir vertrauen, durch Beistand und Inspiration des göttlichenGeistes, und ebenso gezwungen durch die Notwendigkeit Unseres Amts,das Uns aufs strengste anhält, nach Kräften sowohl die Ruhe und denFrieden der Christenheit zu erstreben, zu begünstigen und zu stärken,als auch völlig alles wegzuräumen, was ihr auch nur im geringstenschaden kann; und da Wir außerdem bemerkt haben, daß vorbenannteGesellschaft Jesu jene reichen und herrlichen Früchte und Vorteile fernernicht mehr bringen kann, zu denen sie gestiftet und von so vielen UnsererVorgänger approbiert und mit zahlreichen Privilegien ausgestattet wor-den ist, ja daß bei ihrer Erhaltung der wahre und dauernde Friede derKirche entweder kaum oder überhaupt nicht wiederhergestellt werdenkann.- durch diese gewichtigen Gründe bewogen und durch andere Er-wägungen gedrängt, die Uns sowohl die Gesetze der Klugheit als auchdas Ideal des Gesamtkirchenregiments liefern, und die Wir tief im Geistverborgen halten, indem Wir endlich in den Spuren derselben UnsererVorgänger gehen und besonders in denen des erwähnten Vorgängers,Gregors X., auf dem allgemeinen Konzil zu Lyonda es sich auch jetztum eine Gesellschaft handelt, die sowohl hinsichtlich ihrer Stiftung alsauch ihrer Privilegien zu den Bettelorden gehört, so heben Wir mit reif-licher Überlegung, aus sicherem Wissen und apostolischer Machtfülleheraus die oftgenannte Gesellschaft auf und unterdrücken sie, löschensie aus, schaffen sie ab und heben auf alle und jede ihrer Ämter, Pflichten-kreise und Verwaltungen, ihre Häuser, Schulen, Kollegien, Hospize undalle ihre Versammlungsorte, sie mögen sein in welchem Reiche, in wel-cher Provinz und unter welcher Botmäßigkeit sie wollen.

1 1274; Gregor X. bemühte sieh um die Vereinigung der GriechischenKirche mit Rom.