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X. Der Aufgeklärte Despotismusin Preußen.
141. Instruktionen Friedrich Wilhelms I. von Preußen fürdie Erziehung des Kronprinzen Friedrich, 1718, 1731.
Förster, Friedrich Wilhelm I. von Preußen, Bd. I., S. 354 ff. — Cr am er,Zur Geschichte Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs II, S. 1—20. — Leichtmodernisiert und gekürzt.
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In der Instruktion von 1718 für den fünfjährigen Kronprinzen heißt es:
Nachdem es dem höchsten Gott gefallen, Mir bis jetzo Meinen Sohnund Erben so vieler Lande, womit dessen Güte Mich gesegnet hat, zulassen, und Mir doch daran gelegen, daß derjenige, von dessen Regierungdas Wohl und das Wehe so vieler Lande dependieret, bald von seinerKindheit an zum Guten und zu allen einem großen Fürsten anständigenTugenden vermittelst einer sorgfältigen Erziehung angeführet werde,so habe Ich schon längst Meine fürnehmste Sorge dahin gehen lassen,wie Ich vor diesen Meinen geliebten Sohn einen solchen Oberhofmeisterund einen Sousgouverneur 1 finden mö'chte, von deren Kapazität Ich einso großes Gut, nämlich eine anständige und glückliche Erziehung, er-warten und denen Ich ein so teures Pfand und die Hoffnung so vielerLande anvertrauen und übergeben könnte.
Insonderheit muß Meinem Sohn eine rechte Liebe und Furcht vorGott, als das Fundament und die einzige Grundsäule unserer zeitlichenund ewigen Wohlfahrt recht beigebracht, hingegen aber alle schädlicheund zum argen Verderben abziehende Irrungen und Sekten als ein Gift,das so zarte Gemüter leicht betören, beflecken und einnehmen kann, aufsäußerste gemieden und in seiner Gegenwart nicht davon gesprochenwerden. Er muß von der Allmacht Gottes so wohl informieret werden,daß ihm allezeit eine heilige Furcht und Veneration vor Gott beiwohne;denn dieses ist das einzige Mittel, die von menschlichen Gesetzen undStrafen befreite souveräne Macht in den Schranken der Gebühr zu halten.
Was sonst zum Unterricht im Christentum und zur Übung der Gott-seligkeit erfordert wird, solches wird der Oberhofmeister ebenmäßig zubesorgen und darob zu halten wissen, als daß
1. Mein Sohn nebst allen seinen Bedienten morgens und abendsdas Gebet auf den Knien verrichte;
2. nach geendigtem Gebet ein Kapitel aus der Bibel lese, und dasnicht obenhin, sondern daß allemal nach der Vorlesung der fürnehmsteInhalt kürzlich wiederholet, und sofern einige schöne Sprüche, welche
1 Zum Oberhof'meister wurde Generalleutnant Graf von Finckensteiu, zumSousgouverneur Oberst von Kalkstein ernannt. Beide waren Ostpreußen undbewährte Offiziere, deren Wesen aber in direktem Gegensatz stand zu demjenigenvon Friedrichs Gouvernante, der Madame de Rocoulles, und des Präzeptors,Duhan de Jandun, die zu den französischen Refugianten gehörten.