Band 
Dritter Teil.
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hätte aber Machiavelli seine abscheuliche Lehre gründen wollen, wenner nicht eine durchgehends böse Welt vorausgesetzt hätte?

Angenommen, die Menschen wären so böse, wie Machiavelli glaubt,so folgte deswegen nicht, daß wir sie nachahmen müssen. Cartouchestiehlt, raubt, mordet; daraus schließe ich, Cartouche sei ein Bösewicht,den man zur Strafe ziehen, nicht aber, daß ich meine Aufführung nachder seinigen richten müsse. «Wenn keine Ehre und Tugend mehr, in derWelt wäre», sagt Karl der Weise, «so sollte man ihre Spuren bei denFürsten wieder finden». ■

Machiavelli sagt: Wer die Verstellungskunst recht versteht, wirdstets einfältige Leute finden, die sich hinter das Licht führen lassen.Das will so viel sagen: Dein Nachbar ist einfältig und du hast Verstand;also mußt du ihn betrügen, denn er ist einfältig. Das sind Syllogismen,welche Schüler Machiavellis an Galgen und Rad gebracht haben.

Der Staatslehrer ist nicht zufrieden, daß er, nach seiner Art zuurteilen, bewiesen hat, es sei leicht, Verbrechen zu begehen; er bemühtsich auch zu zeigen, wie glücklich die Treulosigkeit mache. Nur schade,daß Cäsar Borgia, der ärgste Bösewicht, der treuloseste unter allenMenschen, Cäsar Borgia, der B[eld Machiavellis, tatsächlich sehr unglück-lich gewesen ist. Er hütet sich wohl, seiner bei dieser Gelegenheit zugedenken. Machiavelli hatte freilich Beispiele nötig; allein, woher hätteer sie nehmen sollen, wenn nicht aus den peinlichen Prozessen oder ausder Geschichte der schlechten Päpste und seines Nero?

Er versichert, Alexander VI., der falscheste und gottloseste Menschseiner Zeiten, sei bei seinen Betrügereien stets glücklich gewesen, weiler die Schwäche der Menschen in der Leichtgläubigkeit vollkommengekannt habe. Ich getraue mir aber zu behaupten, daß nicht sowohl dieLeichtgläubigkeit der Menschen als gewisse Begebenheiten und UmständeUrsachen gewesen sind, daß die Unternehmungen dieses Papstes manch-mal gelangen. Der Streit des französischen und spanischen Ehrgeizes,die Uneinigkeit und der Haß der italienischen Häuser und die Schwach-heit Ludwigs XII. waren vornehmlich hieran schuld.

Die Betrügerei ist sogar nach der politischen Sprache ein Fehler,wenn man sie zu weit treibt. Ein großer Staatsmann, Don Luis de Haro,sagte von dem Kardinal Mazarin, er habe einen großen Fehler in seinerPolitik, denn er betrüge immer. Ebendieser Mazarin wollte den Marschallvon Fabert zu einer unanständigen Handlung gebrauchen; der Herr vonFabert aber antwortete ihm: «Eure Eminenz erlauben, daß ich es ablehne,den Herzog von Savoyen zu betrügen, zumal da es nur auf eine Kleinig-keit ankommt. Man weiß in der Welt, daß ich ein ehrlicher Mann bin;verspüren sie meine Ehrlichkeit auf eine Gelegenheit, da es auf dieWohlfahrt Frankreichs ankommen wird.»

Indem ich den Vorteil der Fürsten erwäge, behaupte ich, daß sieeine schlechte Staatskunst beweisen, wenn sie Betrüger sind und dieWelt hintergehen. Sie betrügen nur einmal und verlieren darüber dasVertrauen aller anderen Fürsten.

Ich bekenne übrigens, daß es gewisse ärgerliche Notwendigkeitengebe, da ein Fürst nicht umhin kann, Verträge und Bündnisse zu brechen.