Band 
Dritter Teil.
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Allein er maß sich doch auf eine rechtschaffene Art davon losmachenund seine Bundesgenossen zur rechten Zeit davon benachrichtigen, niemalsaber zu dergleichen äußersten Fällen schreiten, wenn ihn nicht das Heilseines Volkes und eine sehr große Notwendigkeit dazu zwingt.

Man achte auf die Fruchtbarkeit, womit sich die Laster unter denHänden Machiavellis vermehren. Er will, ein ungläubiger König solleseinen Unglauben mit der Heuchelei krönen. Er glaubt, die Untertanenwürden durch die Andacht eines Fürsten mehr gerührt, als durch dieüble Behandlung, die sie von ihm litten, aufgebracht werden. Es gibtLeute, die seiner Meinung sind. Ich meinesteils halte dafür, man müssemit den Irrtümern des Verstandes einige Geduld haben, wenn sie nichtdie Verderbnis des Herzens nach sich ziehen, und das Volk werde ehereinen Fürsten, der ein Zweifler, aber dabei ein redlicher Mann ist,lieben, als einen Orthodoxen, der ein Bösewicht ist und ihm übel be-gegnet. Nicht die Gedanken, sondern die Handlungen eines Fürstenmachen die Menschen glücklich.

143. Friedrich der Große an Voltaire, 1736, 1740.

Briefe Friedrichs des Großen, S. 37 f., herausgegeben von Kann en-gießer. — Der König Friedrich der Große in seinen Briefen undErlassen, herausgegeben von Mendelssohn Bartholdy, S. 108 f.

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Berlin, 8. Aug. 1736. — Obwohl ich nicht das Vergnügen habe,Sie persönlich zu kennen, sind Sie mir doch durch Ihre Werke nicht wenigerbekannt. Diese sind, wenn ich so sagen darf, Schätze des Geistes,Schriften, die mit so viel Geschmack, Feinheit und Kunst gearbeitetsind, daß ihre Schönheiten jedesmal neu erscheinen, wenn man sie wiederliest. Ich glaube, aus ihnen den Charakter ihres geistvollen Verfasserserkannt zu haben, der unserm Jahrhundert und dem menschlichen Geistezur Ehre gereicht. Die großen Männer der Neuzeit werden Ihnen einesTages — und Ihnen allein — den Dank schulden, wenn der Streit, obeinem von ihnen oder von den Alten der Vorzug gebührt, wiederaus-bricht und Sie die Wage auf Seiten jener zum Sinken bringen.

Mit der Eigenschaft eines ausgezeichneten Dichters vereinigen Sieeine unendliche Fülle von Kenntnissen, die in Wahrheit einige Verwandt-schaft mit der Poesie haben, mit ihr aber doch erst durch Ihre Federin Verbindung gebracht worden sind. Niemals brachte ein Dichter meta-physische Gedanken in Rhythmen; die Ehre, hierin der erste zu sein,blieb Ihnen Vorbehalten. Die Vorliebe für Philosophie, die Sie in IhrenWerken zeigen, veranlaßt mich, Ihnen die auf meine Anregung ange-fertigte Übersetzung der Anklage und Rechtfertigung des HerrnWolff* zu senden, des größten Philosophen unserer Tage, der grausam

1 Christian Freiherr vonWolff, 1679—1754, Professor in Halle, wurde wegenseiner philosophischen Lehren von Friedrich Wilhelm I. 1723 seiner Stelle ent-setzt und unter Androhung des Stranges aufgefordert, die preußischen Staatenzu verlassen.