Band 
Dritter Teil.
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149. Friedrich II. vor und nach dem Siege vonLeuthen, 1757.

König Friedrich der Große in seinen Briefen und Erlassen, heraus-gegeben von Mendelssohn Bartholdy, S. 321 f., 327 ff.

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A. Ansprache des Königs an seine < lener ah: und Stabsoffiziere.

4. Dez. 1757, am Vorabend der Schlacht. — Ihnen, meine Herren,ist es bekannt, daß es dem Prinzen von Lothringen 1 gelungen ist,Schweidnitz zu erobern, den Herzog von Bevern zu schlagen und sichzum Meister von Breslau zu machen, während ich gezwungen war, denFortschritten der Franzosen und Reichsvölker Einhalt zu tun. Ein Teilvon Schlesien, meine Hauptstadt und alle meine darin befindlich gewesenenKriegsbedürfnisse sind verloren gegangen, und meine Widerwärtigkeitenwürden aufs höchste gestiegen sein, setzte ich nicht ein unbegrenztesVertrauen in Ihren Mut, Ihre Standhaftigkeit und Ihre Vaterlandsliebe,die Sie bei so vielen Gelegenheiten mir bewiesen haben.

Ich erkenne diese dem Vaterlande und mir geleisteten Dienste mitder innigsten Rührung meines Herzens an. Es ist fast keiner unter Ihnen,der sich nicht durch eine große ehrenvolle Handlung ausgezeichnet hätte,und ich schmeichle mir daher, Sie werden bei vorfallender Gelegenheitnichts an dem mangeln lassen, was der Staat von Ihrer Tapferkeit zufordern berechtigt ist. Dieser Zeitpunkt rückt heran; ich würde glauben,nichts getan zu haben, ließe ich die Österreicher in dem Besitze vonSchlesien.

Lassen Sie es sich also gesagt sein, ich werde gegen alle Regelnder Kunst die beinahe dreimal stärkere Armee des Prinzen Karl an-greifen, wo ich sie finde. Es ist hier nicht die Frage von der Anzahlder Feinde noch von der Wichtigkeit ihres gewählten Postens-, allesdieses, hoffe ich, wird die Herzhaftigkeit meiner Truppen und die richtigeBefolgung meiner Dispositionen zu überwinden suchen. Ich muß diesenSchritt wagen, oder es ist alles verloren; wir müssen den Feind schlagenoder uns alle vor seinen Batterien begraben lassen. So denke ich — sowerden wir handeln.

Machen Sie diesen meinen Entschluß allen Offizieren der Armee be-kannt : bereiten Sie den gemeinen Mann zu den Auftritten vor, die baldfolgen werden, und kündigen Sie ihm an, daß ich mich berechtigt halte,unbedingten Gehorsam von ihm zu fordern. Wenn Sie übrigens bedenken,daß Sie Preußen sind, so werden Sie gewiß sich dieses Vorzuges nichtunwürdig machen; ist aber einer oder der andere unter Ihnen, der sichfürchtet, alle Gefahren mit mir zu teilen, der- kann noch heute seinenAbschied erhalten, ohne von mir den geringsten Vorwurf zu leiden.Sollte ich bleiben und Sie für Ihre mir geleisteten Dienste nicht mehrbelohnen können, so muß es das Vaterland tun. Gehen Sie nun ins Lagerund wiederholen Sie Ißren Regimentern, was Sie jetzt von mir gehört

1 Karl von Lothringen, Bruder des Kaisers.