Band 
Dritter Teil.
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D. Der König an seine Schwester Wilhelmine.

Breslau, 8. Februar 1758. — Schließlich, liebe Schwester, zwingenmich diese Schurken von Kaisern, Kaiserinnen und Königen, noch diesJahr auf dem Seile zu tanzen. Ich tröste mich darüber in der Hoffnung,dem einen oder dem andern kräftige Schläge mit der Balancierstangezu geben; aber wenn dies geschehen ist, muß man wirklich zum Friedenkommen. Welche Opfer an Menschen! welche entsetzliche Schlächterei!Nur schaudernd denke ich daran. Wie dem aber auch sei, man muß siehein ehernes Herz anschaffen und sich auf Mord und Gemetzel vorbereiten,die Vorurteile als heroisch hinstellen, die aber immer schrecklich sind,wenn man sie aus der Nähe betrachtet.

150. Friedrich II. nach der Niederlage von Kunersdorf, 1759.

Briefe Friedrichs des Großen, herausgegeben von Kannengießer,8,220 f., 224 f.

*

A. An den Etatsminister Grafen Finck von Finckenstein in-Berlin.

12. August 1759. — Ich habe heute Morgen um elf Uhr den Feindangegriffen. Wir haben ihn bis an, den Judenkirchhof bei Frankfurt ge-trieben. Alle meine Truppen haben Wunder verrichtet, aber dieser Kirch-hof hat uns ungeheure Verluste verursacht. Meine Leute gerieten inVerwirrung, ich habe sie dreimal wieder gesammelt, schließlich wäre ichbeinahe selbst gefangen genommen worden und war gezwungen, dasSchlachtfeld zu räumen. Mein Rock ist von Schüssen durchlöchert, zweimeiner Pferde sind getötet; mein Unglück ist, daß ich noch lebe. UnserVerlust ist sehr beträchtlich; von einem Heer von 48 000 Mann habeich keine 3000. In dem Augenblick, wo ich dies sage, flieht alles, undich bin nicht mehr Herr über meine Leute. Man wird in Berlin gut tun,an seine Sicherheit zu denken.

Das ist ein grausames Mißgeschick, ich werde es nicht überleben;die Folgen desselben werden noch Schlimmer sein als die Sache selbst.Ich habe keine Hülfsmittel mehr, und, um nicht zu lügen, ich halte allesfür verloren; ich werde den Untergang meines Vaterlandes nicht überleben.

Leben Sie wohl für immer!

Friedrich.

Lebus, 16. August 1759. — Unsere Angelegenheiten stehen schreck-lich, aber der Feind läßt mir Zeit. Vielleicht werde ich mich durch soineFehler retten können. Aber ich fürchte sehr, daß es nur eine Frist ist.Ich mache die äußersten Anstrengungen, um wieder zu sammeln, wasich kann. Wenn man auch über den Frieden unterhandeln wollte, ichglaube, daß es zu spät ist. Der Zufall, wie immer, muß über unser Ge-schick entscheiden. Was mich betrifft, werde ich mich töten lassen, umEuch zu verteidigen; aber das ist alles, was ich tun kann, um Euch zu