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dienen. Mein Kopf ist nicht verdreht; aber, ohne Prophet zu sein, glaubeich die Ereignisse voraus zu sehen, und sie sind für uns nicht lachend.
Friedrich.
B. An den Prinzen Ferdinand .*
Waldow, 5. September 1759. — Teuerster Bruder! Ich hin nurein Mensch. Sie nehmen aus Freundschaft Anteil an meiner Erhaltung;aber, mein lieber Bruder, der preußische Staat hat vor mir bestanden und wirdauch nach meinem Tode, wenn es Gott gefällt, erhalten bleiben. Siekönnen sich wohl denken, daß ich, empfindlich wie ich bin, währenddieser drei Wochen Märtyrerqualen 2 ausgestanden habe. Unsere Lageist weniger verzweifelt, als vor acht Tagen; aber ich sehe mich vonKlippen und Abgründen umringt. Meine Aufgabe ist sehr schwierig, ufidohne ein Wunder oder die göttliche Eselei meiner Feinde wird es un-möglich sein, den Feldzug gut zu beendigen. Grüßen Sie alle unsereVerwundeten. Sagen Sie Seydlitz, wenn es Ihnen gefällig ist, daß ichmehr leide als er; meine Seele ist schwerer krank als seine Hand. MeineLage bleibt unaufhörlich gefährlich. Meine Truppen haben kein Ehr-gefühl mehr; sie sind alle vom . . . besessen; man weiß nicht, welchenHeiligen man sich geloben soll. Trotzdem halte ich mich mit meinenFeiglingen aufrecht; aber ich wage mit ihnen keine kühne Unternehmung.Ich begreife sehr wohl, daß diese Katastrophe Ihre Gesundheit nichtgebessert hat; aber man muß bei solchen Gelegenheiten sich zusammen-nehmen. Das Mißgeschick, das uns zu Boden drückt, ist nicht durchunsere Schuld herbeigeführt; also müssen wir uns nicht darüber grämen.Jedem Menschen widerfährt Unglück während seines Lebens, und ersieht bisweilen durch die Wolken hindurch einen Strahl des Glücks; manmuß das eine und das andere ertragen. Die guten wie die schlechtenZeiten gehen vorüber, und schließlich führt unsere Laufbahn uns zumGrabe hin. Das Leben ist zu kurz für langdauernde Betrübnisse. Dasist eine schöne Moral! Haudle ich auch nach ihr? Ach nein! Die erstenAugenblicke des Schmerzes sind zu heftig; der Mensch hat mehr Emp-findung als Vernunft. Handeln Sie mehr nach der Vernunft als nach derEmpfindung, und lassen Sie der Freundschaft und der Liebe Gerechtig-keit widerfahren, mit denen ich ganz der Ihrige bin.
Friedrich.
1 Friedrichs des Großen jüngster Bruder.
J An seinen intimen Freund, den Marquis d’Argens, schrieb der König am22. August: — »Nein, die Qualen des Tantalus, die Leiden des Prometheus, dieStrafen des Sisyphus, sind nichts gegen das, was ich seit zehn Tagen leide.Der Tod ist süß im Vergleich zu einem solchen LebeD.“ —
Flach u. Gtiggenbühl, Quellenbuch III
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