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160. Urteile über Kaiser Joseph II.
Von Arueth, Geschichte Maria Theresias, Bd. IV, S. 154 ff.i Urteil Pode-wils. — Briefe der Kaiserin Maria Theresia, herausgegeben vonFred-Kubin, Bd. I, S. 62 ff.: Instruktion an Graf Batthyanyi. — UrteilZinzen-dorfs aus dessen handschriftlichen „Confessions“ nach Landwehr von
Pragenau, Östorreich-Ungarn von 1526—1790. — Neue Orthographie
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A. Graf Podewils, der preußische Gesandte in Wien, über denjungen Erzherzog Joseph.
Seine Physiognomie ist angenehm, seine Miene aber stolz und hoch-mütig, sein Benehmen desgleichen. Weit davon entfernt, ihn darüber zurRechenschaft zu ziehen, bestärkt man ihn vielmehr darin und erziehtihn in den alten hoehfahrenden Grundsätzen des Hauses Österreich. Schonhat er die höchste Idee von seiner Stellung, und es ist noch nicht langeher, daß er jemandem sagte, er sei in seine Ungnade gefallen. AllerAVelt und selbst den Damen reicht er die Hand zum Kusse. Man hatmir versichert, daß er eines Tages, als er sich in einem mit den Bild-nissen seiner Ahnen geschmückten Raume befand, die Namen der ver-schiedenen Kaiser und Kaiserinnen genannt, dann aber, auf die Bildnisseseiner Eltern deutend, gesagt habe, diese seien nur ein Herzog und eineHerzogin von Lothringen. Der Kaiser bemüht sich wahrhaft, ihm diesehochmütige Denkungsweise zu benehmen; aber außerdem, daß er ihnallzusehr liebt, um mit Strenge wider ihn zu verfahren, vereinigt sichalle Welt, ihn darin zu bestärken.
Der Prinz ist starrsinnig und hartnäckig, und er läßt sich liebereinsperren und zum Fasten verurteilen, als daß er sich herbeiließe, umVerzeihung zu bitten. Die übertriebene Liebe, die der Kaiser und dieKaiserin für ihn hegen, hindert sie, ihn tüchtig für einen Fehler zustrafen, welcher seinerzeit von nur allzu großem Einflüsse auf seinenUharakter sein wird. Er liebt nichts als das Militär und schätzt nur,was mit diesem zusammenhängt, so daß er fast nur an Offiziere undderen Frauen das Wort richtet. Er zeigt keine Neigung zum Lernen,und man wird Mühe haben, ihm nur die gewöhnlichsten Dinge beizn-bringen, die er wissen muß, wenn er sich nicht schämen soll.
Man flößt ihm großen Widerwillen gegen Frankreich ein, und ereignet sich ihn so sehr an, daß er sich weigert, das Französische zuerlernen, das er niemals spricht. Um es ihn zu lehren, unterrichtet manin seiner Gegenwart einen Knaben seines Alters in dieser Sprache. DerKaiser mißbilligt sehr, daß man ihm diese Grundsätze beibringt, aberer ist nicht der Herr und wagt zu wenig mit seinem Tadel hervorzu-treten, um nicht dem Gedanken Nahrung zu geben, daß er selbst dieFranzosen nicht genug hasse. Man hat nicht gehört, daß man dem Erz-herzog Abneigung wider den König von Preußen einflöße oder er solchezeige.
Er ist freigebig. Als im vergangenen Jahre die Kaiserin in Schön-brunn beim Spiele saß, nahm er ihr oft Geld, um es unter arme Offiziere