Band 
Dritter Teil.
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ufid Soldaten zu verteilen. Bis jetzt ist es schwer zu entscheiden, ob erviel Verstand hat, und ich zweifle, daii er jemals ein großes Genie seinwird. Alle Züge, die man von ihm wiedererzählt und bewundert, zeigennur wenig Einbildungskraft und weder Scharfsinn noch glückliche Ver-bindung der Ideen. Nur eine einzige Antwort, die er dem Grafen Wo-ronzow erteilte, konnte man so nennen; aber man versichert, daß sie ihman die Hand gegeben wurde. Als dieser Minister von der Länge desWeges von Petersburg nach Wien sprach, antwortete ihm der Erzherzog:«Der Weg muß wohl weit sein; denn schon vor langer Zeit habe ich ge-hört, daß Ihre Truppen marchieren, und sie sind noch immer nicht an-gelangt.»

Die schlechte Erziehung, die der Erzherzog erhält, und die allzu-weit getriebene Zärtlichkeit seiner Eltern lassen nicht, darauf hoffen, daßer jemals ein großer Fürst werden wird. Indem die Kaiserin die Artund Weise mißbilligt, in welcher ihre Vorfahren erzogen wurden, ver-folgt sie bei der Erziehung ihrer Kinder, und besonders ihres ältestenSohnes, doch nur den gleichen Weg. Sie vergöttert den Erzherzog Joseph,und sie läßt ihm viele Fehler hingehen, um derentwillen sie ihn strafensollte. Doch gibt sie sich manchmal das-Ansehen einer gewissen Strengegegen ihn, und sie behauptet, ihn nicht zu verziehen. Eines Tages be-fahl sie, ihm die Rute zu geben. Und als man ihr vorstellte, daß diesnoch niemals einem Erzherzog widerfahren sei, antwortete sie: «Ich glaubees, aber sie sind auch darnach ausgefallen .» 1

B. Aus der Instruktion Maria Theresias an den Aja 1 desErzherzogs, den Grafen Batth/anyi.

Da mein Sohn als ein uns so lieb und importantes Pfand mit großerZärtlichkeit und Liebe von der Wiege an gepflegt worden, ist sicher,daß seinem Willen und Verlangen in vielen Stücken zu viel nachgegebenworden, und insbesondere seine Bediente ihn, sowohl durch unterschiedlicheSchmeicheleien als auch einige unzeitige Vorstellungen seiner Hoheitverleitet, sich gern gehorsamen und ehren zu sehen, hingegen die Wider-setzuug unangenehm und fast unerträglich zu finden, sich nichts zu ver-sagen, gegen andere aber leichtsinnig, ohne Gefälligkeit und rüde zuhandeln.

Obwohl nun zwar diese Neigungen schon in etwas korrigiert worden,mein Sohn auch viele Anzeichen eines guten Herzens von sich gibt, soist, doch sicher, daß seine große Lebhaftigkeit, die man ehemals nichtvon ihm vermutet., von der man aber in vielem zu seinem Besten wird.profitieren können, dermalen merklich zunimmt. Daraus entsteht dannerstlich das heftige Verlangen, seinen Willen in allen kleinen Gelüstenzu erfüllen, wovon er so okkupiert ist, daß er die Ermahnungen kaumhört, selbe wie die meiste Jugend tausendmal vergißt und aucii oft zu

1 Das Urteil Podewils erstreckt sich auf die Kinderjahre Josephs, da seineErziehung in den Händen von Frauen lag.

* Erzieher.