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barrassieren, welchen nicht erlaubt ist, sich gleichen Males zu bedienen.Sein Point d’lionneur soll darin bestehen, seiner Eltern Gnade und Liebedurch seinen Fleiß und gute Aufführung zu verdienen, und die übrigenMenschen durch Freundlichkeiten und gütige Antworten in allen erdenk-lichen Gelegenheiten an sich zu ziehen, die Fehler der anderen zu ent-schuldigen, gern fürzubitten, wenn es ihm erlaubt ist, aber nicht nur durchPartiknlaraffektion, sondern aus einem wahren, guten Gemüt angetrieben,wovon er so viel gute Exempel seiner Vorfahren vor sich hat, und wo-durch er auch schuldig ist, andern zum Vorbild zu dienen;
Es ist der Tag allzeit mit Gebet anzufangen, und das Erste undNotwendigste für meinen Sohn, von der Allmacht Gottes in einem de-mütigen Herzen überzeugt zu sein, ihn zu lieben und zu fürchten, urfdaus den wahren christlichen Übungen und Schuldigkeiten alle übrigenTagenden zu schöpfen.
C. Graf Zinzendorf 1 über Joseph II.
Joseph II. hat sich frühzeitig von dem verhängnisvollen Vorurteileerfüllen lassen, das einzige Gesetz, die einzige Verfassung eines Staatessei der- Wille des Herrschers. Diese durch das Beispiel des großen Fried-rich, den er sich zum Vorbilde genommen, hinlänglich berechtigte Ideeschmeichelte seiner Selbstliebe und wurde die Triebfeder aller seinerHandlungen. In der Überzeugung, daß es seine Bestimmung sei, beständigim großen wie im kleinen zu regieren, hielt sich dieser Fürst ver-pflichtet, nach seiner Einsicht alles über Krieg und Frieden undüber die Verträge wie über die bürgerlichen Gesetze zu entscheiden, diedirekten Steuern möglichst gleich zu verteilen, die indirekten zu verein-fachen, den Gewerbefleiß durch Zwangsmittel und Verbote zu beleben, denSchmuggel zu verhindern, die Erziehung der Jugend, die Schulen, diePriesterseminare, die religiösen Zeremonien zu regeln, die Zahl derKlöster zu vermindern, die Pfarrer auf dem Lande zu vermehren, dieVerpflegung der Armee zu sichern. Er fand es für gut, die Leibesstrafenzu verschärfen, die Verbrecher mit heißem Eisen brandmarken zu lassenund die Spitäler, Gefängnisse, Kasematten, Zeug und Armenhäuser ab-zulaufen. Alle diese Gegenstände wurden ohne Beratung,, ohne Kombi-nation, ohne Überlegung durch Billete, die er diktierte, erledigt. Auchdas Regiment der unsterblichen Maria Theresia, das viel milder als dasseine war, hatte auf Grundsätze und auf die Staatsverfassung keineRücksicht genommen. Despotische Minister ohne wahrhafte Befähigungwaren die Anordner. Joseph II., mit einem großen Scharfblick begabt,entdeckte rasch ihre schwachen Seiten. Sein Mißtrauen, das bei Herrschernso natürlich ist, flößte ihm eine schlechte Meinung von den Menschen imallgemeinen ein. Er hielt sie nur durch Ehrgeiz, Habgier und Vergnü-gungssucht getrieben. Rechtschaffenheit nnd Ehrbarkeit waren ihm einRätsel; selbst die Güte, die in seinem Herzen ruhte, hielt er in ihrenWirkungen für schädlich. Er bemühte sich gar nicht, eine Verleumdung
1 Zinzendorf, 1739—1813, war seit 1762 in Österreich in hohen Ämtern,zuletzt Staats- und Konferenzminister.