Band 
Dritter Teil.
Seite
380
JPEG-Download
 

380

vorstellen, als das, was diese Vorschriften enthalten ? Wie! Uni die Leutezu bekehren, sie zu Soldaten machen, in die Bergwerke schioken, oderzu öffentlichen Arbeiten verwenden! Das ist seit den Zeiten der Ver-folgungen zu Beginn der lutherischen Reformation noch nicht dagewesen;das würde von unberechenbaren Folgen sein. Ich fühle mich verpflichtet,auf das entschiedenste zu erklären, und ich werde es beweisen, daß,wer auch diese Verordnung erdacht hat, der unwürdigste Ihrer Dienerist und folglich ein Mensch, der nur meine Verachtung verdient, weiler ebenso töricht wie nichtswürdig ist.

Ich bitte Eure Majestät demütigst, sich in dieser überaus wichtigenAngelegenheit von anderen Personen beraten zu lassen, als die sind,welche solche Sachen ersinnen, und indem ich hoffe, daß Eure Majestätdurch Aufhebung dieser Verordnung schnelle Abhilfe schaffen werde, fühleich mich gedrungen, gleichzeitig demütigst zu versichern,, daß, wennsolche Sachen während meiner Mitregentschaft sich ereignen sollen, EureMajestät erlauben wird, den meinem Wunsche so sehr entsprechendenBeschluß zu fassen, die ganze Welt wissen zu lassen, indem ich' michvon allen Geschäften zurückziehe, daß ich in dieser Angelegenheit michauf nichts einlasse und für nichts einstehe. Mein Gewissen, meine Pflichtund meine Ehre fordern das.

Eure Majestät wird die Form, in der ich mich ausdriicke, verzeihen;sie entspricht meiner Überzeugung und meinem Gefühl, und der Gegen-stand ist von hoher Bedeutung. Einzig von Eurer Majestät wird derAnsgang abhängen, den ich immer mit der ehrfurchtvollsten Ergebenheiterwarten werde.

Maria Theresia an Joseph. II., Schönbrunn, 25. September 1777 :

Ihre Unzufriedenheit über die Religionsangelegenheiten in Mährentrifft mich um So empfindlicher, als ich in einer so wichtigen und deli-katen Angelegenheit auf das gerade Gegenteil gefaßt war. Ich bin wedermeinem eigenen Kopf noch einem Minister gefolgt. Alles ist durch denböhmischen Konseß *, die Kanzlei und den Staatsrat gegangen, und ichhoffe, daß Sie anders darüber denken, wenn Sie über die Einzelheitenunterrichtet sein werden, wenigstens wünsche ich es zu Ihrem eigenenBesten. Aber ich kann Ihnen nicht verhehlen, wie sehr es mich schmerzt,daß Sie mir bei der geringsten Widerrede oder Verschiedenheit derAnsichten immer diesen verhaßten Vorschlag bezüglich der Mitregentschaftmachen, obwohl Sie wissen, daß mich das am empfindlichsten trifft. Ichglaube nicht, daß Ihnen durch meine Handlungen oder Befehle Unrechtgeschehen oder Schande gemacht worden ist. Sie gehen in Ihren Ge-danken ein wenig zu rasch vor. Die Aktivität ist wundervoll für einenPrivatmann, aber wer befiehlt, muß besser nachdenken und sich an dieRegeln und Verordnungen der Länder halten und ihnen folgen, und darfnur davon absehen, wenn er es besser machen kann und zwar nichtnur nach seinem eigenen Zeugnis, sondern nach dem aller andern. Wirhaben niemand Rechenschaft abznlegen außer demjenigen, der uns

Versammlung.