Band 
Vierter Teil.
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ferenz der französischen Marokkopolitik einfach ihr Plazet gab. Beidesist durch das Zustandekommen und die Beschlüsse der Algeciraskon-ferenz 1 erreicht worden. Frankreich setzte dem Konferenzplan heftigenWiderstand entgegen. Eine Zeitlang schien es, als wolle Herr Delcassedie Entscheidung über Krieg und Frieden von der Konferenzfrage ab-hängig machen. Als die deutsche Regierung unerschütterlich blieb,willigte Frankreich in die Konferenz. Herr Delcasse legte das Porte-feuille des Auswärtigen nieder. Er trat zurück, und wir setzten unserenWillen durch. Der Rücktritt des Herrn Delcasse war für uns keinAugenblickserfolg. Sein Sturz lähmte den französischen Chauvinismus,gab den vorsichtigen und friedlichen Elementen in Frankreich wiederdie Oberhand und erleichterte damit unsere Politik wie die Fortführungdes Flottenbaues. Herr Delcasse war das Instrument, dessen sich unsereGegner bedienen wollten, um uns zu treffen. Durch ihn gedachten . . .diejenigen englischen Kreise, die uns unser Flottenprogramm nicht aus-führen lassen wollten, Frankreich zum Kriegsbüudnis mit England zuverleiten, um uns dann mit der englischen Flotte zu überfallen. Daliihnen diese Waffe aus der Hand geschlagen wurde, war gerade damals,wo wir mit unserem Flottenbau uns ungefähr auf der Mitte des Weges,auf halbem Aufstieg, befanden, besonders wichtig. In Algeciras hattenwir gegenüber den Ententemächten und bei dem geringen Interesse, dasdie anderen Mächte an der marokkanischen Frage nahmen, naturgemäßkeine leichte Stellung. Trotzdem gelang es uns, unter Wahrung derSouveränität des Sultans, für die Organisation der Polizei und der Er-richtung der marokkanischen Staatsbank eine internationale Regelungzu erreichen und den deutschen wie den wirtschaftlichen Interessen alleranderen Länder die «Offene Tür» in Marokko zu sichern. Nicht alles Er-wünschte, aber das Wesentliche war erreicht worden. Der Versuch, unsvon einer großen internationalen Entscheidung auszuschließen, war durch-kreuzt worden. Wir hatten nicht nur die Handelsfreiheit in Marokko erfolg-reich verteidigt, sondern auch bewiesen, daß wir uns selbst durch eineKoalition anderer Mächte nicht beiseiteschieben ließen. An der künftigenGestaltung der marokkanischen Angelegenheiten war uns ein entschei-dendes Mitbestimmungsreeht gesichert, auf das wir ohne ausreichendeKompensationen nicht zu verzichten brauchten. Die Beschlüsse der Kon-ferenz von Algeciras waren ein Riegel vor den TunifikationsbestrebungenFrankreichs in Marokko. Sie waren auch eine Klingel, die wir jeder-zeit ziehen konnten, wenn Frankreich wieder solche Tendenzen an denTag legte. In Frankreich wurde die neue Ordnung der Dinge alsbaldnach der Algeciraskonferenz sehr peinlich empfunden. Die «unseligeAlgecirasakte» wurde als eine «Frankreich aufgezwungene europäischeVormundschaft», bestenfalls als eine «ehrenvolle Rückzugslinie» be-zeichnet.

1 Sie tagte in den ersten Monaten des Jahres 1906.