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Lehrbuch für den Geschichtsunterricht an Mittelschulen : das Mittelalter / von W. Beuter
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Armin und die Schlacht im Teutoburger Walde.

(Nach Staude und Goepfert.)

Das Land zwischen Rhein und Weser hatten die Römer zumgroßen Teil erobert. Römische Soldaten lagen hier in Winterquar-tieren, Städte wurden gegründet. Schon nahmen die Germanen römischeSitten an; sie kamen zu den Märkten und lebten mit den Römern infriedlichem Verkehr. Doch nicht ganz hatten sie die väterlichen Sitten,ihre Landesgebräuche, ihr freies Leben und die Macht, die sie durchihre Waffen erhielten, vergessen. So lange sie daher allmählich undmit Behutsamkeit an die neuen Verhältnisse gewöhnt wurden, emp-fanden sie die Veränderung ihrer Lebensweise nicht drückend, ja siefühlten es nicht einmal, daß sie andere wurden. Als aber QuintiliusVarus, der neu ernannte Statthalter Germaniens, sie mit größererSchnelligkeit umwandeln wollte, ihnen wie Sklaven Befehle erteilteund wie von Untergebenen Geld forderte, da lehnten sie sich auf.Die Häuptlinge strebten nach ihrer früheren Macht, das Volk fanddie gewohnte Ordnung der Dinge besser als die fremde Zwingherrschaft.

Einen offenen Aufstand aber wagten die Germanen nicht, da siesahen, wie viele Römer am Rhein und im Innern des Landes sichaushielten, sie stellten sich vielmehr so, als wollten sie allen Befehlendes Varus gehorchen, und lockten ihn weit ab vom Rhein in dasLand der Cherusker, an die Weser. Da sie auch dort in Friede undFreundschaft mit ihm lebten, brachten sie ihn zu dem Glauben, daßsie auch ohne die römischen Waffen den Befehlen der Römer gehorchenwürden. So hielt denn Varus nicht, wie es in Feindesland nötigwar, seine Heeresmacht zusammen, sondern verteilte seine Soldaten,bald um einen Ort zu beschützen, bald um einen Räuber aufzu-greifen oder Getreidesendungen zu begleiten. Das Haupt der Eid-genossen in Rat und Tat war Armin, ein Sohn des CheruskerfürstenSigimer; beide waren stets um Varus und wurden oft von ihm zurTafel geladen. Denn er war guten Mutes und argwöhnte nichtsBöses. Er wurde wohl von solchen, die die Gefahr sahen, zur Vor-sicht gemahnt, aber er schenkte ihnen kein Vertrauen: ja er schalt sienoch, als ob sie ohne Grund für ihr Leben fürchteten und jeneMänner verleumdeten.

Da plötzlich erhob sich, der Verabredung gemäß, ein Stamm,der weiter im Innern wohnte. War doch Varus auf dem Marschegegen die Ausständischen leichter zu überfallen, zumal er in Freundes-land zu sein glaubte; empörten sich aber alle zu gleicher Zeit, dannivürde er seine Vorsichtsmaßregeln treffen. Wie man vorausgesetzthatte, so geschah es. Varus zog mit seinem Heer gegen den Feind.Die Verschworenen blieben zurück unter dem Vorwande, Hilfstruppenauszurüsten, die sie den Römern so schnell als möglich zuführenwollten. Die Genossen waren schon an einem bestimmten Platze ver-sammelt ; sie wurden herzugerufen, und nun überfiel man den Varus,als er mitten in einem psadlosen Walde steckte, und offenbarte sichals furchtbaren Feind.

Schon vor dem Erscheinen der Feinde hatten die Römer Notund Arbeit genug. Denn die Berge waren schluchtenreich und zer-klüftet, der Wald undurchdringlich; gewaltige Bäume mußten gefällt,Wege gebahnt und Brücken geschlagen werden. Auch führten dieRömer wie im Frieden viele Wagen und Lasttiere mit sich, undWeiber, Kinder und ein großer Troß folgten nach, so daß schon des-halb wenig Ordnung in dem Zuge war. Dazu strömten Regengüsse